Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048216
Capella. Sistina. 
Schule von Padua. 
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warum ein Rafael und ein Michelangelo kommen mussten und wie 
sehr diese in lauter Leben und Charakter sich selbst verlierende Kunst 
es nöthig hatte, wieder auf das Höchste zurückgewiesen zu werden. 
Und doch ist auch dieses Höchste hier stellenweise anzutreffen. 
In Ghirlandajois "Berufung des Petrus und Andreas zum Apostelamt" 
ist dem Ereignisse die ergreifendste und feierlichste Seite abgewonnen 
und zur Hauptsache gemacht; es ist wie eine Vorahnung von Rafaels 
"Fischzug Petri" und „Pasce oves meas!"  
Die Pracht der Ausstattung, welche in diesen Gemälden herrscht, 
entspricht ganz dem Sinne Sixtus IV, der die Vergoldung und das 
Leuchten der Farben über die Massen liebte. 
Inzwisehen war in Oberitalien die Schule von Padua. unab- 
hängig von den Florentinern und auf einem eigenthiimlichen Umwege 
zum Realismus durchgedrungen. Ihr Gründer, Fruncesco Squar- 
cione (1394-1474), hatte in Italien und Griechenland antike Sta- 
tuen, Reliefs, Ornamentstücke etc. gesammelt, nach welchen in seiner 
Werkstatt studirt wurde, emsig, aber ganz einseitig. Von irgend 
einem Eingehen auf das Lebensprincip der antiken Sculptur, welches 
auch für die Malerei belehrend und theilweise massgebend hätte sein 
können, war nicht die Rede. Man schätzte an ihr nicht die Verein- 
fachung der Erscheinung, auch nicht die dadurch erreichte Idealität, 
sondern den Reichthum der Detailbildung, vermöge dessen vielleicht 
spätere, rafiinirte Sculpturen gerade die meiste Verehrung genossen. 
Diese Bestimmtheit der Lebensformen, die sich hier vorfand, im Ge- 
mälde wiederzugeben, war nun das Ziel der Schule; daher ihre pla- 
stische Schärfe und Härte. Sodann entlehnte die sehr ornament- 
liebende Schule eine Menge decorative Elemente von den genannten 
und andern Resten des Alterthums, namentlich römischen Gebäuden. 
Zugleich aber war auch der realistische Trieb des Jahrhunderts 
gerade hier sehr stark, und mischte sich auf eine ganz wunderliche 
Weise mit dem Studium der Antiken. Er gab die Seele, letzteres 
nur einen Theil der Äusserungsweise her. Vorzüglich in der Gewan-
        

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