Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048184
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Malerei des XV. Jahrhunderts. 
Toscaner. 
gV. Florenz; Ufüzien; Galerie Borghese in-Rom, u. a. a. O.) Seine 
beinzige grosse Composition, eine Anbetung des Kindes (Acad. 
v. Florenz), zeigt auf merkwürdige Weise, wie auch ein weniger be- 
gabter aber beharrlicher Künstler in jener Zeit das Herrlichste leisten 
konnte, indem sein Sinn für Anmuth der Formen und des Ausdruckes 
noch nicht durch feststehende Theorien und Vorbilder irre gemacht 
wurde, sodass er sein Eigenstes geben konnte und musste;  indem 
jene Zeit noch nicht im Bewegt-Pathetischen rivalisirte, an welchem 
die nur bedingt Begabten untergehen;  indem endlich der realistische 
Grundtrieb der Zeit vor dem Langweiligen, d. h. Allgemeinen und 
Oonventioncllen schützt. In dem genannten Bilde ist zwar schon etwas 
von jenem überschüssigen Gefühl, welches in der peruginischen Schule 
eine so grosse Rolle spielt (s. den Jüngling mit dem Lamme), allein 
man vergisst dieses und den nicht ganz unbefangenen Bau der Gruppe 
ob der zauberhaften Schönheit der meisten Gestalten. - Die kleinen 
cBilder mit biblischen Scenen in den Ufiizien geben keinen Begriff von 
Lorenzcfs Kunstvermögen. (Ist etwa von ihm die Madonna mit zwei 
d Heiligen, in S. Spirito, auf einem der 4 Altäre ganz hinten? Angeblich 
„Manier Sandrdsß.) 
Ausserhalb dieser Reihe steht der grosse Luca. da. Gortona, 
eigentlich Signorelli (1439-1521). Er war der Schüler des Piero 
della. Francesca. (von welchem bei der paduanischen Schule die Rede 
sein wird) nahm aber stärkere florentinische Eindrücke in sich auf. 
 Dem Ghirlandajo ebenbürtig in der grossartigen Auffassung des 
Geschehens und der Existenzen, wählt er doch seine Einzelformen 
weniger und ist stellenweise des Derbsten fähig; andererseits zeigt 
sich bei ihm zuerst die Begeisterung für das Nackte als eine wesent- 
lich bestimmende Rücksicht für die Darstellung, selbst für die Wahl 
der Gegenstände. In diesem Sinne ist er der nächste Vorläufer des 
Michelangelo. 
e Seine Fresken im Kloster Monte Oliveto (südlich von Siena), 
Scenen aus der Geschichte des heil. Benedict, hat Verf. dieses nicht 
ggesehen. Sein Hauptwerk sind jedenfalls die Fresken in der Madon- 
nencapelle des Domes von Orvieto (seit 1499), welche mit den-
        

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