Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1068881
Stahlottcn. 497 
(kleine Bronzen, besonders das dritte Zimmer) enthält doch nur We- a 
niges von erstem Werthe, wie die Pallas, den behelmten Jüngling, 
mehrere tanzende Satyrn, das verhiillte Weibchen etc., zwischen zahl- 
reichen römischen Arbeiten. Auch bei den 'I'erracotten desselben b 
Museums (fünftes Zimmer der Terracotten) scheint das Beste zu fehlen. 
(Die Krugträgerin und die verhüllte Tänzerin  beide von erstem 
Range  wird man in Italien nur in Abgüssen vorfinden.)  Die flo- 
rentinische Sammlung (Uffizien, zweites Zimmer der Bronzen) enthiiltc 
manches Vorzügliche, zugleich in etwas günstigerer Aufstellung.  
Es würde uns sehr weit führen, wenn wir näher auf den Styl dieser 
kleinen Meisterwerke und seine Bedingungen eingehen wollten; viel- 
leicht wendet sich ihnen die Vorliebe des Bescheuers sehr rasch zu 
und in diesem Falle wird er erkennen, wie die Kunst auch in diesem 
bisweilen winzigen Massstebe kein einziges ihrer hohen, bleibenden 
Gesetze aufgab. Die kleinsten Figürchen sind plastisch untadelhaft 
gedacht; das Nette und Zierliche der Erscheinung diente nicht zum 
Deckmantel für lahme Formen und Linien. Man fühlt es durch, dass 
nicht ein Decorator den Künstler spielt, sondern dass eine Kunst die 
des Grössten fähig ist, sich zu ihrem eigenen Ergötzen im Kleinen 
ergeht. (Es ist natürlich von den bessern und ältern die Rede, denn 
die römischen sind zum Theil allerdings lahme Fabrikarbeit.) 
In den römischen Sammlungen findet sich eine bedeutende Au- 
zahl marmorner Statuetten, welche trotz der meist nur mittel- 
guten Arbeit doch ein eigenthiimliches Interesse haben. Sie sind näm- 
lich wohl fast durchgängig (und selbst wo man es nicht direct beweisen 
kann) kleine Wiederholungen grosser Statuen und dienen somit zum 
unfehlbaren Beleg für die Werthsehätzimg, in welcher die grossen Ori- 
ginale standen. Ausserdem beachte man die Einfachheit der Arbeit, 
Welche mit dem Geleckten und Auspolirten moderner Alabastercopien 
in oHenem Gegensatze steht. Offenbar verlangte man im Alterthum von 
dem Oopisten nur, dass er das Motiv des Ganzen mit mässigen Mit- 
teln wiedergebe; das Übrige ergänzte die Phantasie und das Gedächt-d 
niss. (Ilauptstellen: das Museo Chiaramonti und der obere Gange 
des Vaticans, sowie die hintern Räume der Villa. Borghese. Manches f 
auch im Dogenpalast zu Venedig, Camera. a. letto.) 
Cicerone. 
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