Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1068858
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Antike Sculptur. 
Klnderstatuen. 
liche Wesen überhaupt nur in Knabengestalt gedacht, wie der kleine 
Genesungsgott Telesphorus, der aus seinem Mäntelchen mit Ka- 
apuze oft so schalkhaft vergnüglich lierausschaut. (Vatiean, in den 
bgcnannten Räumen; "Villa. Borghese, Zimmer der Musen);  ferner 
Harpoerates, aus dem am Finger lullenden Isiskind zum schön 
jugendlichen Gott des Sehweigens umgedeutet (in der vielleicht nur 
vsieben bis achtjährig gedachten, aber in grösserm Massstab ausge- 
führten Statue des Museo capitolino, grosser Saal; ein für die hadria- 
nische Kunstepoche bezeichnendes Werk, effektreieh, aber schon mit 
Ii etwas-leeren Formen).  Sehr artig ist der kleine Phrygier mit Tam- 
burin und Hirtenstab, den man als Atys oder als Paris in Kindes- 
alter erklären kann. (Mus. Chiaram.)  An Kunstwerth übertrifft wohl 
e sämmtliehe vorhandene Kinderstatuen der Torso der Villa. Borghese 
(Zimmer des Ilermaphroditen) Welchen man des Gefässes wegen als 
Wasserholenden I-Iylas erklärt, ein überaus schön und lebendig ge- 
arbeitetes Körperchen. 
Unter dem grossen Vorrath der Übrigen gehen sich manche, und 
zwar meist die später-n und schlechter-n, durch ihre Flügel als Genien 
und Eroten zu erkennen. Fiir die Sculptur macht dieser Unterschied 
von den blassen Genretiguren nicht viel aus; wohl aber für die Malerei, 
welche ihre Genien darf schweben lassen und von dieser Befugniss 
in Pompeji den ansgedehntesten Gebrauch gemacht hat. Zum Theil 
noch aus guter Zeit stammen eine Anzahl Reliefs, welche die Be- 
sehiiftigungen Erwachsener auf geflügelte Kinder übertragen; Jagden, 
Circusspiele, Weinlesen, WVettrcnnen dieser Art kommen häufig vor; 
fim Museo Chiaramonti trifft man z. B. einen Idries, welcher eine Jagd 
von Genien gegen Panther und Böcke darstellt. (Eines schönen Re- 
gliefs im Chor von S. Vitale in Ravenna kann ich mich nicht mehr 
genau erinnern.) 
Die bessern Kinder sind fast durchgängig die nichtgctliigelten. 
Es liegt ein Schatz von harmloser und drelliger Naivität in diesen 
zum Theil oft wiederholten Motiven. Kinder mit Früchten sind theils 
im ruhigen Bewusstsein des bevorstehenden Genusses, theils als eilige 
hDiebe dargestellt (Mus. Chiar. und oberer Gang des Vaticans); als 
Brunnenstatixen dienten vorzugsweise kleincuAmpliorentriiger (oberer 
Gang ebenda), Knaben mit Delphinen, auch Satyrkinder mit Schläu-
        

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