Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1068772
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Antike Sculptur. 
Antinous. 
Reiz auszugiesscn; man erfand auch (z. B. auf Reliefs) für den Her- 
maphroditen besondere Situationen, indem man ihn mit allerlei Leuten 
aus dem Gefolge des Dionysos zusammenbrachte, allein er blieb ein 
Ding aus einer fremden , abstracten Welt. Da. man keine bezeich- 
nende Action von ihm wusste, so liess die Kunst ihn am liebsten 
schlafen, ja sie erhob ihn zum Charakterbild des unruhigen Schlafes 
einer schön gewendeten jugendlichen Gestalt. S0 die vorzügliche Sta- 
ßtuc im Louvre, von welcher die beiden in der Villa Borghese und in 
11 den Ufiizien (in den danach benannten Räumen) Wiederholungen sind; 
die letztgenannte die bessere, aber schlechter erhaltene. (Ein Torso 
ßim Museo Chiaramonti des Vaticnns ist der eines laufenden, wahr- 
scheinlich vor Pan oder einem Satyr fliehenden Hermaphroditen.) 
Der letzte Gott, welcher eine höhere Kunstform erhielt, war der 
vergötterte Liebling des Kaisers Hadrian, Antinou s. Es handelte 
sich darum, die Bildnissähnlichkeit des für Hadrian freiwillig (im Jahr 
130 n. Chr.) gestorbenen Jünglinge im Wesentlichen festzuhalten und 
zugleich sie in eine ideale Höhe zu heben. Ziige und Gestalt eigneten 
sich mehr dazu als der geistige Ausdruck; es ist eine volle, reiche 
Bildung, breitwölbig in Stirn und Brust, mit üppigem Munde und 
Nacken. Der Ausdruck aber, so schön er oft in Augen und Mund 
zu jugendlicher Trauer verklärt ist, behält auch bisweilen etwas Böses 
und fast Grausames. 
Ausser den zahlreichen Büsten, welche den Antinous insgemeixl 
din der Art eines jungen Heros darstellen (z. B. in der Salat rotonda 
des Vatieans) giebt es eine Anzahl von Statuen, in welchen er ent- 
weder schlechthin als segenverleihender Genius, bisweilen mit dem 
Füllhofl], oder in der Gestalt. einer bestimmten Gottheit personifieirt 
eigt, Dahin gehört der Antinous als Vertumnus im Braceio nuovo, und 
fals grosse Ilalbiigur in Relief in der Villa. Albani, der Antinous als 
gOsiris im ägyptischen Museum des Vaticans, vor allen der pracht- 
hvolle Antinous als Bacchus im Museum des Laterans (ehemals im 
Pal. Braschi), eine der elegantesten Colossalstatuen der später-n 
iZeit; von den attributlosen heroischen Statuen ist die des Museums 
von Neapel (Halle der Flora) unstreitig eine der schönsten.
        

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