Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1068767
Nereiden. Der Hennaphrodit. 485 
Bei den nackten oder beinahe nackten Nereiden versteht es 
sich von selbst, dass die Kunst sie nur heiter mädchenhaft bilden 
durfte. Bedeutende Statuen sind kaum vorhanden, Wohl aber reizend 
gedachte (meist gering ausgeführte) Stntuetten, welche diese zierlichen 
Wesen auf Seewiddern reitend darstellen (Beispiele a. m. Orten). Das 
einzige bedentendere lilarmorwerk, die florentinische Nereide aufa 
dem Seepferd (zweiter Gang der Ufiizien) lässt trotz Verstiimmlnng 
und Restauration ein so reizendes Motiv erkennen, dass man in dieser 
römischen Brunnenfignr die Nachahmung einer Gestalt des Skopas zu 
finden glaubt. 
Als die antike Kunst, wahrscheinlich in der praxitelischen Zeit, 
nach immer wirksaniern Ausdruckswcisen des Schönen suchte, gerieth 
sie auf die Schöpfung des He rmnphro diten , wobei ihr ein schon 
vorhandener Mythus entgegen kam. Es war aber bei dieser Aufgabe 
kein rechtes Gedeihen. Man konnte den Dionysos der weichen Weib- 
lichkeit, die Amazone der männlichen Heldengestnlt sehr nähern und 
dabei den strengsten Gesetzen der Schönheit in vollstem Mass genügen; 
es fand dabei eine echte Durchdringung dessen statt, was am Manne 
und was am Weihe schön dargestellt werden kann. Hier dagegen 
werden auch die iiusseriichen Kennzeichen der Geschlechter in Einer 
Gestalt vereinigt, als ob die Schönheit in diesen läge und sich nun 
doppelt mächtig aussprechen müsste. blau vergass dabei, dass alles 
Monströse schon a. priori die geniessende Stimmung zerstört, indem es 
wenn auch nicht den Abscheu, so doch Unruhe und Neugier an deren 
Stelle setzt; dass ferner das Schöne nur an bestimmten Charakteren 
und nur im Verhältniss zu denselben vorhanden und denkbar ist und 
,bei willkürlichen Mischungen zerfliesst i). Es geschah nun zwar das 
Mögliche, um über die Formen dieses Wesens den grössten sinnlichen 
 Centaurcn, Tritonen, Scepferde etc. sind nicht monströs, nicht nur w-eil der 
mythische Glaube die Evidenz ersetzt und die Spannung beseitigt  was 
sich auch beim Hermaphroditen behaupten liesse  sondern weil Sie keinen 
Anspruch darauf machen, streng organische Wesen zu sein. Sie sind sym- 
bolisch kühn gemischt, aber nicht aus widersprechenden Charakteren in Eins 
geschmolzen.
        

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