Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1068705
Leidender Satyr. 
Silen. 
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Einen andern leidenden Satyr glauben wir in dem vorzüglichen 
Colossaltorso der Uffizien (Halle des Hermaphr.) zu erkennema 
Nach einem Ansatz des linken Schenkels zu urtheilen, muss er ge- 
sessen oder gelehnt haben, während doch die Formen des Leibes die 
grösste Erregung zeigen. Welcher Art sein Leiden war, ob ihm ein 
Dorn ausgezogen wurde u. dgL, ist schwer zu errathen. Als derber 
und wilder Satyr giebt er sich durch die herculische Bildung von 
Brust und Rücken, durch den auswärts geschobenen Bauch mit kräf- 
tigen Adern zu erkennen. 
Einer der alten Satyrn (ja eine ganze Gattung derselben) führt 
den Namen Silen. Er könnte der wohlmeinende Vater der ganzen 
Sehaar sein, allein sein unverbesserlicher WVcindurst macht ihm zu oft 
die stützende Hiilte der Jiingern nöthig und bringt ihn um alle Ach- 
tung. Der alte, fette, kahle Bufibne kann sich nicht einmal immer 
auf seinem Eselchen halten, sondern muss auf einem Karren mit- 
gefahren werden; dafür wird er geneckt ohne Erbarmen. Diese seine 
Privatleiden erfährt man jedoch fast nur aus Vasen und Reliefs; in 
den Statuen macht er etwas bessere Figur. Die Haarlöckchen, die 
über seinen ganzen Leib verbreitet sind, die Behandlung der Extre- 
mitäten, ja die fast angenehme Hässliehkeit seines Kopfes selbst geben 
ihm bisweilen etwas sehr Distinguirtes. So wird man z. B. dem Silenll 
der Villa Albani (im sog. KaiTehaus) schon seiner niedlich gestellten 
Füsse wegen zugestehen, dass er eigentlich zum Geschlecht der feinem 
Schwelger gehöre. (Ein anderes, sehr gutes, aber weniger erhaltenesß 
Exemplar in der Sala delle Muse des Vaticans.)  Im Ganzen aber 
sind Silen und sein Schlauch gar zu unzertrennlich, als dass dem 
jilten gründlich zu helfen vräre. Er reitet darauf und hält das weiche 
Geiüss an zwei Zipfeln (Statuette im Museum von Neapel, grossed 
Bronzen), Während dessen lilündung, wie in der Regel, als Brunnen- 
Öffnung dienen muss; er liebkost den theuren Behälter (Statuette 
ebenda), gerade wie er es sonst mit dem kleinen Panther des Bacchus 
macht (Statuette ebenda).l Eine kleine Marmorfigur im obern Gange 
des Vaticans stellt den komischen hlomeiit dar, in {welchem er den 
Schlauch und das Trinkhorn beim besten Willen nicht mehr in Ver- 
bindung bringen kann.
        

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