Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1068648
Ariadne. 
473 
blickende Haupt, mit einem Ausdruck süssester 
wohl kein Marmorbild des Gottes so wiedergiebt. 
Melancholie , 
den 
In den Reliefs, auch an Sarcophagen, WO man den Gott in den 
verschiedensten Stellungen und Handlungen kennen lernt, erscheint er 
nicht selten mit der von ihm geretteten Ariadne, welche, einmal in 
seinen Kreis aufgenommen, nur ihm ähnlich gebildet werden konnte. 
Selbständige Statuen dieser dionysisehen Ariadne kommen wohl 
nicht vor, doch hat man einen der schönsten Köpfe des Alterthums 
(im M useo eapitolizio, Zimmer des sterbenden Fechters) langea 
Zeit so benannt, bis neuere Forscher darin einen ganz jugendlichen 
Dionysos zu erkennen glaubten. Wie dem auch sei, Augen, WVangen 
und Mund dieses Werkes geben gerade das Schönste und Süsseste 
der baechischen Bildung, die Verlorenheit in sanfter Wonne, mit einer 
unbeschreiblichen Leichtigkeit wieder. Im anstossenden Iilaunszimmerb 
findet sieh ein geringerer, doch noch immer schöner Kopf, bei welchem 
man ebenfalls über die Benennung im Zweifel bleiben kann. (Die 
Augen zur Ausfüllung mit irgend einer andern Steinart bestimmt, wie 
an vielen Köpfen.) 
Die schöne Statue, welche in den Uftizien zu Florenz (erstere 
Gang) Ariadne heisst, hat einen antiken bnechischen, ihr aber nicht 
angehörenden Kopf; der Leib möchte vielleicht der einer Muse gewesen 
sein. Ihre fast verticale linke Seite zeigt zwei Ansätze; sie muss sich 
auf Etwas gelehnt haben. (Beide Arme sind wegzudenken.) 
Von derjenigen Stimmung, welche in Dionysos rein und göttlich 
waltet, gehen die einzelnen Äusserungen wie Radien in die Personen 
seines Gefolges aus. Es ist die Naturfreude auf allen ihren Stufen, 
je nach der edlern oder gemeinem Art des Einzelnen. Man muss sich 
diesen jfhiasos" immer als Ganzes, als Zug oder Scene denken, wie 
er in mehrern ganz treffliehen Reliefs und sehr vielen meist mittel- 
guten oder geringen Sareophagbildern, auch auf vielen Vasen sich 
stückweise darstellt. Allein schon die Kunst der besten Zeit, schon 
Meister wie Praxiteles haben die einzelnen Gestalten dieses Ganzen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.