Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1068549
Weibliche Gewandstatuen. 
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Kiinstelei, welche z. B. im vorigen Jahrhundert bei mehreren Bild- 
hauern zum peinlichsten Streben nach Illusion führte, ist hier der 
Contrast des Feinern und des Derbern und das Übereinander der Fal- 
tung zwar mit der höchsten Kunst, aber ohne alle falsche Bravour 
behandelt; man sieht (wenigstens bei den bessern Exemplaren) immer, 
dass es dem Künstler vor Allem um die Hauptsache, um das schöne 
imd sprechende Hervortreten der Gestalt im Gewande zu thun War 
und dass er jene Zierlichkeiten nur als Mittel zum Zwecke brauchte. 
Eine Wunderbare und räthselhafte (römische  Figur, die sog. 
Pudieitia, mag hier zuerst genannt werden. Sie fasst mit der rech-a 
ten Hand in der Nähe des Halses den Schleier, dessen Ende über den 
nach rechts hinübergelegten linken Arm herabfällt. Will sie sich ver- 
schleiern oder hat sie sieh eben entschleiert?  Das Auge bleibt in 
einer angenehmen Ungewissheit. Das Zurücktreten der rechten Schul- 
ter l), die Stellung der Füsse tragen mit zu diesem reizvollen Eindruck 
bei. (Das schönste Exemplar im Braccio nuovo des Vaticans, ein 
geringeres im Hof des Belvedere; andere überall.) h 
Unter den übrigen zahlreichen Motiven, wovon immer eines rei- 
zender und sprechender ist als das andere, nennen wir beispielshalber 
dasjenige, wobei der Überschlag des Obergewandes erst über die Brust, 
dann über die Schulter geschwungen und von hinten hervor unter dem 
Arm geklemmt wird (Seite 461, e). Von vielen Beispielen eines der 
schönsten: die als Euterpe restaurirte Gestalt in der Galeria dellec 
statuc des Vaticans. 
Wieder eine besondere Aufgabe ist in der verhüllten Gefä s s- 
trägerin (Museo capitolino, Zimmer des sterbenden Fechters) gelöst,d 
die man für Pandora oder Psyche mit der Büchse, für Tuccia mit dem 
Sieb u. s. w., mit dem meisten Recht aber als Trägerin eines Heilig- 
thums in einem Festzuge erklärt hat. Für uns ist diese nur flüchtig 
gearbeitete Statue ein jedenfalls sehr schöner Versuch mehr, ein neues 
Motiv von Haltung und Geberde in feierlicher Gewandung auszudrücken. 
Allerdings zieht in demselben Raum die sog. Flora am sehnellstene 
die Blicke auf sich, eine schöne Römerin, mit einem Kranz um das 
Ö Welches ja nicht etwa als Nachbildung eines zufällig schmalschultrigen weib- 
lichen Individuums aufzufassen ist.
        

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