Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1068531
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Antike Sculptur. 
Weibliche Gewandstatuen. 
men von Gewandstatuen zusammen gefasst werden. Für eine 
kritische Aufzählung (worauf hier kein Anspruch gemacht wird) wäre 
es unerlässlich, zu ermitteln, welchen göttlichen oder menschlichen 
Gestalten die verschiedenen Gewandungstypen zukamen. Die Schwie- 
rigkeit einer solchen Forschung leuchtet ein, wenn man erwägt, dass 
weit die meisten dieser Statuen gefunden wurden ohne Hände und 
Attribute, auch kopflos oder mit solchen Köpfen, die "ihnen schon 
im Alterthum willkürlich gegeben werden waren: dass endlich schon 
das Alterthum häufig vorhandene Göttertypen zu Porträtbildungen 
benützte. So viel ist immerhin gewiss, dass eine Anzahl von Motiven 
der Stellung und Gewandung, hauptsächlich aus der spätern Zeit der 
griechischen Kunst, ein canonisches Ansehen genossen und um ihrer 
Schönheit willen beständig wiederholt wurden. Hauptsächlich ge- 
währte der Chor der Musen, in den verschiedenen Auifassungen, die 
wir nachweisen können, einen Vorrath der schönsten Vorbilder für 
die Drapirung von Bildnissiiguren, sodass beim einzelnen Torso schwer 
zu entscheiden sein wird, ob er für eine Musenstatue oder für ein 
als Muse stylisirtes Bildniss gearbeitet werden. Ausserdem sind unter 
der Masse der „Gewandstatuen" Stellungs- und Drapirungs-Motive 
von Göttinnen, symbolischen Pcrsonificationen, Priesterinnen, Theil- 
nehmerinnen an Festziigen, selbst eigentlichen Genrei-iguren begriifen; 
manche Motive gehören auch ganz ursprünglich der porträtirenden 
Kunst an und geben ideal aufgefasste griechische und römische Trach- 
ten wieder.  Wenn aus dem ganzen Alterthum keine andern Kunst- 
werke erhalten wären, so würden schon diese Gewandtorsen (selbst 
die gering ausgeführten nach guten Motiven) uns den höchsten Be- 
griii" von der alten Kunst geben. Es ist keine ruhig-grossartige und 
keine einfach-liebliche Stellung des beseelten Weibes, welche hier nicht 
in und mit einer theils prächtigen, tbeils schlichten Gewandung aus- 
gesprochen wiire. Haltung und Gewandung wären beide für sich 
schön, aber es ist der hohe Vorzug der antiken Kunst, dass sie ganz 
untrennbar zusammengedacht sind und nur mit einander existiren. 
Zu den reichsten Motiven gehört das schon bei den Musen vor- 
kommende, auf verschiedene Attituden angewandte: theilweise Auf- 
hebung des Gegensatzes zwischen Ober- und Untergewand, vermöge 
Durchscheinens des letztern durch das erstere. Weit entfernt von der
        

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