Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1068498
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Antike Sculptur. 
Leda. 
Musen. 
Crusca).  Um so reichlicher sind die Victorien im Relief und in 
ader Malerei vertreten; die schönsten am Titusbogen.  Einige kleine 
Bronzeiiguren geben wohl am ehesten einen Begriff von den schwe- 
bbenden Victorien; eine treifliche im Museum von Neapel (bei den 
cgrossen Bronzen); eine andere in den Uftizien (zweites Zimmer der 
Bronzen, vierter Schrank); diese letztere hat wie diejenigen am Titus- 
bogen nackte Schenkel, zur Andeutung ihrer raschen Botenschaft. 
Geringere Exemplare ziemlich häufig. 
Bei diesem Anlass mag noch eines mythiseh berühmten Weibes 
gedacht werden, das nur zu oft plastisch dargestellt werden ist, näm- 
lich der Leda mit dem Schwan. Ich brauche die betreiienden Sta- 
tuen nicht näher zu bezeichnen; sie sind nicht einmal recht gewaltig 
sinnlich, sondern meist so {lau und langweilig, dass ihre Aufstellung 
in den meisten Sammlungen gar kein Hinderniss gefunden hat, wess- 
halb man ihnen denn auch überall begegnet. Der Schwan sieht bis- 
weilen eher einer Gans ähnlich und man hat desshalb andere Deu- 
tungen zu Hülfe gezogen; wer aber beachtet, in welchen Fällen das 
Thier klein gebildet ist, wird vielleicht mit uns der-Ansicht sein, dass 
diess aus demselben ästhetischen Grund geschah, um dessentwillen 
die Panther des Bacchus in kleinerm Verhältniss gebildet wurden. 
d (Die gemeinste aller Leden, im Dogenpalast zu Venedig , Camera a 
letto, ist ein Werk des XVI. Jahrhunderts.) 
Wenn die eben aufgezählten weiblichen Bildungen ein mytholo- 
giseh Gegebenes verherrlichten, so zeigt uns eine andere Reihe, die 
der Musen, wie die Griechen das Symbolische lebendig zu machen 
wilssten, wie frei sie sich dabei bewegten und welche Grenzen sie 
innehielten. Statt sich ängstlich zu bemühen, jede Muse einzeln von 
Kopf bis zu Fusse ihrem Fache gemäss zu charakterisiren, begnügten 
sie sich mit Attributen und drückten in den Gestalten selbst fast nur 
das Allgemeine einer schön vergeistigten Weiblichkeit aus. (Verstiim- 
melte Musenstatuen sind desshalb kaum mit völliger Sicherheit zu 
restauriren, wenn man nicht ein Vorbild mit erhaltenen antiken Attri- 
buten vor sich hat.) Es ist das persönlich gewordene Sinnen, nicht 
das Phantasiren oder das Grübeln (wie in Albrecht Dürers Melan-
        

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