Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1068235
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Antike Sculptur. 
Hermes. 
ist darob etwas eingesunken; allein sein Blick sagt, dass er noch 
lauert und seine ganze leichte Stellung und der Bau seiner Glieder 
liisst ahnen, mit welcher Elastieitiit er aufspringen wird. Die Kunst 
wird keine sitzende nackte Jünglingsfigur mehr schaffen, ohne dieses 
Erzbild wenigstens mit einem Blick zu Rathe zu ziehen. Ist es aber 
wirklich Hermes? Was er an den Füssen angeschnallt hat, sind keine 
Sandalen, sondern Flügel, die ihm also nicht von Hause aus angehören ; 
sodann hat sein Kopf wohl den Hermestypus, aber auf einer niedri- 
gern Stufe, und vollends geben ihm die abstehenden Ohren etwas 
Genrehaftes. Vielleicht haben wir irgend einen unbekannten Mythus 
oder auch nur einen unergriindlichen Scherz vor uns. 
a In den Uftizien zu Florenz kann eine ausgezeichnet wohlerhaltcne 
römische Statue (im ersten Gang) gerade zum Beleg des Gesagten 
dienen, insofern hier die Flügel unmittelbar über dem Knöchel aus 
dem Fuss herauswaehsen. Von viel grösserer Bedeutung ist der leider 
bsehr stark und zwar als Apoll restaurirte sitzende Hermes im zweiten 
Gange. Der Gott ist sehr jugendlich, etwa fünfzehnjährig gedacht, 
aber in grösserm Verhältniss ausgeführt, sodass man ihn in seinem 
verstümmelten Zustande leicht verkennen konnte, indem seine spätere 
gymnastische Bildung hier nur leise angedeutet ist. Ein Blick auf den 
ebenso jugendlichen Apoll, etwa den Sauroktonos, zeigt freilich den 
gründlichen Unterschied; hier wollen alle Formen nur das leichteste 
Dasein ausdrücken, während im Hermes die Rüstigkeit und Elastieität 
ein Wesentlicher Zug ist, selbst wo er ruht wie hier. (Schöne römische 
Arbeit; in der Nähe eine-ähnliche, viel geringere Statue mit dem echten 
Hermeskopfe; die Lyra, deren Erfinder Hermes War, ist hier antik.) 
c- Noch knabenhafter und fast genreartig ist Hermes dargestellt in 
einer Statue der Inschriftenhalle ebenda, einem guten römischen Werke. 
Er steht auf einen Stamm gelehnt; im ursprünglichen Zustande hielt 
er etwas mit der rechten Hand, auf die seine Blicke gerichtet sind. 
d  Ob der gute römische Torso von Basalt (in der Halle des Her- 
maphr. ebenda) einen Hermes oder einer Satyr vorstellte, ist schwer 
zu entscheiden. 
Vom Geschlecht des Hermes als Schützers der Ringschulen sind alle 
Athleten griechischer Erfindung. Man erwarte hier nicht den zum
        

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