Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071012
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Barocksculptur. 
Farbige Bemalu ng. 
Endlich erkennt der Naturalismus der berninischen Plastik seine 
eigenen Consequenzen offen an. Wenn einmal die Darstellung eines 
möglichst aufregenden Wirklichen das höchste Ziel des Bildhauers sein 
soll, so gebe er die letzten academischen Vorurtheile über Linien, 
über Gruppenbildung u. dgl. auf und arbeite ganz auf dieses Wirk- 
liche hin, d. h. er füge die Farbe hinzu! Schon das Mittelalter, 
dann die realistischen florentinischen Bildner des XV. Jahrh, die 
Robbia, vorzüglich Guido Mazzoni, waren hierin ziemlich Weit ge- 
gangen, überdiess wird das bemalte Bildwerk eine Verständlichkeit 
für sich haben und einer Popularität gemessen, um welche man es 
zu wenig beneidet. 
Und es entstanden wieder zahllose bemalte Heiligenfiguren von 
Holz, Stucco und Stein. WVer sich von Bildhauern irgend etwas 
diinkte, wollte allerdings mit dieser Gattung nichts zu thun haben; 
die academische Kunst schlossikein Vcrhältniss mehr mit ihr; sie 
mied die Verwandtschaft und Concurrenz mit jenen periodisch neu 
drapirtcn Wachspuppen, welche z. B. in Glaskasten auf den Altären 
neapolitanischer Kirchen prangen. Allein bisweilen verspinnt sich 
doch ein schönes Talent in die bemalte Sculptur und leistet darin 
Vorzügliches. In Genua lebte um das Jahr 1700 ein Künstler dieser 
Art, Maragliano, dessen Arbeiten ungleich erfreulicher sind als 
die meisten Papstgräber in S. Peter. Man überliess ihm meist eine 
ganze, etwa besonders von oben beleuchtete Nische über dem Altar, 
in Welcher er seine Figuren ohne den Anspruch auf eine plastische 
Gruppe, vielmehr bloss 'ma1erisch ordnete. Mit der Farbe hatte er 
auch dazu das Recht, Während jene Sculptoren in Marmor, die ihre 
Nischengruppen ähnlich bildeten, ein wüstes Zwitterwesen hervor- 
brachten.  Gegen das unheimlich Illusionäre der WVachsbilder schützte 
ihn die plastische und in seinem Sinn ideale Gcwandung. Sein Ma- 
terial ist, Wie ich glaube, bloss Holz (bei grössern Figuren von zu- 
sammengenieteten Blöcken), ohne Nachhülfe mit Stucco. 
Diese Arbeiten sind gleichsam eine höhere Gattung der Präsepien, 
welche in Italien noch gegenwärtig um die Zeit des Dreikönigstagesß 
in den Kirchen (im Kleinen auch in Privathäusern) aufgestellt wer- 
den; nur hier mehr künstlerisch abgeschlossen und mit einem bedeu- 
tenden Talent, mit Fleiss und Liebe durchgeführt. Maragliano ist
        

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