Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1068221
Hermes. 
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der, die leichte, ruhige Stellung diess vernehmlich ausdrücken. Allein 
in der ganzen Gestalt waltet ein wahrhaft göttlicher Sinn, der sie 
über jene Einzelbedeiltung Weit emporhebt. Sie hat, ich möchte 
Sagen, ein höheres, zeitloseres Dasein als alle menschlichen Athleten, 
in welchen die Wirkung der letztvorhergegangenen, die Erwartung 
der nächsten Anstrengung mit angedeutet scheint. Und welch ein 
Wunderbares Haupt! es ist nicht bloss der freundlich-sanfte, feine 
Hermes, sondern wahrhaftig der, welcher „den obern und den untern 
Göttern werth" ist, der Mittler der beiden Welten. Darum liegt auf 
diesem Jiinglingsantlitz ein Schatten von Trauer, wie es dem unsterb- 
lichen Todteniiihrer zukömmt, der so viel Leben untergehen sieht. 
Die süsse, jugendliche Melancholie, welche im Antinous zweideutig 
gemischt waltet, ist hier mit vollkommener Reinheit ausgedrückt. 
Die Statue ist stark verstümmelt, geglättet lllld zweifelhaft re- 
staurirt. Möge sie wenigstens fortan bleiben wie sie ist. (Eine viela 
geringere Wiederholung im grossen Saal des Pal. Farnese.) 
Noch mancher trefiliche Hermes steht in den römischen Galerien, 
allein keiner der diesem irgend nahe kiime. Zur Vergleichung diene 
z. B. der Hermes mit der Inschrift INGENVI (Vatiean, Galerie delleb 
statue), und derjenige des Braccio nuovo, gute römische Arbeitenm 
Im letztgenannten Theile des Vatieans stehen (hinten) auch zwei be- 
mäntelte Ilermen, deren Köpfe wirklich Hermes vorstellen.  Im 
grossen Saal des eapitolinischen Museums glaubt man in der Statue d 
eines vorgebeugten Jünglings, welcher (in der jetzigen Restauration) 
den Zeigefinger der Rechten wie horchend erhebt, und den linken 
Fuss auf ein Fclsstiick setzt, einen Hermes zu erkennen. Es ist ein 
stattlichcs, lebensvollcs hVerk, etwa aus hadrianischer Zeit.  Ein 
römischer Hermes, wenigstens mit einem Nachklang jener schönene 
Trauer, im Ilauptsaial der Villa Ludowjisi. 
Im Museum von Neapel, Abtheilung der grossen Bronzen, bieten f 
zunächst zwei Köpfe eine interessante Parallele dar. Der eine, alter- 
thiimlich streng, mit einer Reihe volrLöekchen wie Iiorkzieher, zeigt 
uns den kalten conventionellen Ausdruck des friihern griechischen 
TYPIIS, während der andere sich der seclenvollen Schönheit des vati- 
canischen Gottes nähert. Dann findet sich hier die unvergleichlicheg 
Statue des angeln den Hermes. Er hat schon lange gesessen und
        

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