Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071006
Altargruppen als Wandsculpturen. 
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geben, als ihre Gesetze noch länger mit Füssen zu treten. Und nun 
wird endlich das rein malerische Princip zugestanden in vielen Altar- 
gruppen, welche nicht mehr frei hinter dem Altar stehen, sondern in 
einer Nische dergestalt angebracht sind, dass sie ohne dieselbe nicht 
denkbar wären. Sie sind nämlich ganz als Gemälde componirt, selbst 
ohne Zusammenhang der Figuren, mit Preisgebung aller plastischen 
Gesetze. Von den Wänden der Nische aus schweben z. B. Wolken 
in verschiedenen Distanzen her, auf Welchen zerstreut Madonna, Engel, a 
S. Augustin und S. Monica. in Ekstase sitzen, kauern, knieen u. s. w. 
(Altar des rechten Querschißes in S. Maria della consolazione in Ge- 
nua, von Schiaffino um 1718.) Aus den hundert andern Gruppen 
dieser Wandsculptur heben wir nur noch zwei in Rom befindliche 
besonders hervor: die Wohlthätigkeit des heil. Augustin (Altar desb 
linken Querschiffes in S. Agostino), von dem Malteser Melchiorre Gafa, 
wegen der fleissigen Arbeit und eines Restes von Naivetiit  und die 
berühmte Verzückung der heil. Teresa (im linken Querschilfc 
von S. M. della. Vittoria), von Bernini. In hysterischer Ohnmacht, 
mit gebrochenem Blick, auf einer Wolkenmasse liegend streckt die 
Heilige ihre Glieder von sich, während ein lüsterner Engel mit dem 
Pfeil (d. h. dem Sinnbild der göttlichen Liebe) auf sie zielt. Hier 
vergisst man freilich alle blossen Stylfragen über der empörenden De- 
gradation des Übernatürlichen. 
Da. überall die Absicht auf Illusion mitspielt, so scheut sich auch 
die Sculptur so wenig als die decorirende Malerei (S. 389), ihre Ge- 
stalten bei Gelegenheit weit aus dem Rahmen heraustreten zu lassen, 
überhaupt keine architektonische Einfassung mehr anzuerkennen. Es 
genügt, auf Berninfs „Catedra" (hinten im Chor von S. Peter) zud 
verweisen, welche unten als Freigruppe der vier Kirchenlehrer an- 
fängt, um oben als Wanddecoration um ein Ovalfenster (Engelschaaren 
zwischen Wolken und Strahlen vertheilt) zu schliessen. Es ist das 
rohste Werk des Meisters, eine blosse Decoration und Improvisation; 
er hätte wenigstens nicht zum Vergleich mit der danebenstehenden so- 
lidern Arbeit seiner eigenen frühern Zeit, dem Denkmal Urbans VIII, 
so unvorsichtig auffordern sollen.
        

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