Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1070984
Freistehende Altargruppen. 
Wolken. 
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der Crypta unter der Capella Corsini im Latcran zu Rom; es; 
ist eine Pieta von Bernini.  Sie fehlt im Verzeichniss seiner Werke 
bei Dominici.) Die delicate Behandlung des Marmors macht sich in 
einigen Künsteleien absichtlich bemerkbar, sonst ist an der Gruppe 
nur die durchaus malerische (und in diesem Sinne gute) Composition 
zu tadeln; im Übrigen ist es ein ziemlich reines Werk von schönem, 
innerlichem Ausdruck ohne alles falsche Pathos; im Gedankenwerth 
den besten Darstellungen dieses Gegenstandes aus der Schule der 
Caracci wohl gleichzustellen. Wie Bernini am gehörigen Ort seinen 
Styl zu bändigen und zu veredeln wusste, zeigt auch der Christus-b 
leichnam in der Crypta des Domes von Capua. 
Allein diess'waren Werke für geschlossene Räume mit beson- 
derer Bestimmung. Was sollte auf die Hochaltäre der Kirchen zu 
stehen kommen? Nicht Jeder war so naiv wie Algardi, der für den 
Hauptaltar von S. Paolo zu Bologna eine Enthauptung Johannis ing 
zwei eolossalen Figuren arbeitete; statt des Martyriums sucht man 
vielmehr durchgängig eine Glorie an diese feierlichste Stelle der 
Kirche zu bringen. Die höchste Glorie, welche die Kunst ihren Ge- 
stalten hätte verleihen können, eine grossartige, echt ideale Bildung 
mit reinem und erhabenem Ausdruck  diese zu schaden War das 
Jahrhundert nicht mehr angethan; der Inhalt des Altarwerkes musste 
ein anderer sein. Vor Allem musste der pathetische und ekstatische 
Ausdruck, Welchen man die ganze Kirche hindurch in allen Nischen- 
iiguren und Nebenstatuen der Seitenaltäre auf hundert Weisen variirt 
hatte, in der Altarsculptur consequenter Weise seinen Höhepunkt er- 
reichen, indem man die Ekstase zu einer Verklärung zu steigern suchte. 
Hier beginnt die Nothwenrligkeit der Zuthaten; die betreifende Haupt- 
figur, die man am liebsten ganz frei schweben liesse, schmachtet sehn- 
süchtig auf Wolken empor, welche dann weiter zur Anbringung von 
Engeln und Putten benützt werden. Als aber einmal die Marmorwolke 
als Ausdruck eines überirdischcn Raumes und Daseins anerkannt war, 
wurde Alles möglich. Es ist ergötzlich, den Wolkenstudien der da- 
maligen Sculptoren nachzuforschen; in ihrem redlichen Naturalismus 
scheinen sie  allerdings irriger Weise  nach dem Qualm von bren- 
nendem feuchtem Maisstroh u. dgl. modellirt zu haben. Die Altäre 
italienischer Kirchen sind nun sehr reich an kostbaren Schwebegrup- 
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