Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1070938
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Barocksculptur. 
Grabmäler. 
hatte seine "Klugheit" und „Gerechtigkeit" ruhig auf dem Sarcophag 
Pauls III lagern lassen, allerdings nicht mehr so unbekümmert um 
den Beschauer wie Michelangelds Tag, Nacht und Diimmerungen 1). 
Seit Bernini aber müssen die zwei allegorischen Frauen eine dra- 
matische Scene aufführen; ihre Stelle ist desshalb nicht mehr auf 
dem Sarcophag, sondern zu beiden Seiten, wo sie stehend oder sitzend 
(und dann auffahrend) ihrem Affeet freien Lauf lassen können. Der 
Inhalt dieses Aifectes soll meist 'l'ra,uer und Jammer, Bewunderung, 
verehrende Ekstase um den Verstorbenen sein, was denn jeder Bild- 
hauer auf seine Weise zu variiren sucht.  Die kirchliche Decenz 
verlangte jetzt eine vollständige Bekleidung, sodass an diesen Gräbern 
von S. Peter die ausgesuchtesten damaligen Draperiemotive zu finden 
sind. Die Bravour im Nackten entschädigte sich durch beigegehene 
Putten. Daneben bringt schon Bernini  wenn ich nicht irre, zum 
erstenmal seit dem Mittelalter  die scheussliche Allegorie des Todes 
a in Gestalt eines Skelettes vor; am Grabmal Urbane VIII schreibt 
dasselbe auf einen marmornen Zettel die Grabschrift zu Ende; am 
Monument Alexanders VII hebt es die colossale Draperie von gelb 
und braun geilecktem Marmor empor, unter welcher sich die Thür- 
befindet. Leider fand gerade diese „Idee" sehr eifrige Nachbeter. 
Bei Anlass dieses Extremes ist von den Alleg orien Einiges zu 
sagen, weil sie gerade für die Sepulcralsculptur als wesentlichste Ge- 
dankenquelle betrachtet wurden; auch an Altiiren spielen sie oft die 
erste Rolle. Die Prachtgriiber und Altäre Italiens sind eben so voll 
von verzweifelten Versuchen, dieses Element interessant zu machen, 
wie eine gewisse Gattung der damaligen Poesie. Über die Stelle der 
Allegorie in der Kunst überhaupt haben "wir hier nicht zu entschei- 
den. Ihre Unentbehrlichkeit in allen nicht-polytheistischen Zeitaltern 
und die Möglichkeit schöner und erhabener Behandlung zugegeben, 
fragt es sich nur, wesshalb sie uns bei den Berninesken so ganz be- 
sonders ungeniessbar erscheint? 
Diese Gedankenwesen, geboren von der Abstraction, haben eben 
ein zartes Leben. Selber Prädicute, sind sie wesentlich prädicatlos 
Zwischenzeit siehe S. 
1) Die Grabtypen der 
689.
        

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