Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1070885
Der Aifect. 
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Übrigens sind dieses seltene Ausnahmen. Der Barockstyl liebt 
viel zu sehr das Massenhafte und in seinem Sinn glänzende Improvi- 
siren, um sich häufig eine solche Mühe zu machen. 
Welches war nun der Affect, dem zu Liebe Bernini die ewi- 
gen Gesetze der Drapirung so bereitwillig preisgab? Bei Anlass der 
Malerei wird davon umständlicher gehandelt werden; denn bei dieser 
ging ja die Sculptur jezt in die Schule. Genug, dass nunmehr ein 
falsches dramatisches Leben in die Sculptur fährt, dass sie mit der 
Darstellung des blossen Seins nicht mehr zufrieden ist und um jeden 
Preis ein Thun darstellen will; nur so glaubt sie etwas zu bedeu- 
ten. Die heftige Bewegung wird, je weniger tiefere, innere Nothwen- 
digkeit sie" hat, desto absiehtlicher in dem Gewande explieirt. Ging 
man aber so weit, so war auch die plastische Composition überhaupt 
nicht mehr zu retten. Die so schwer errungeue Einsicht in die for- 
malen Bedingungen, unter welchen allein die Statue schön sein kann, 
das Bewusstsein des architektonischen Gesetzes, Welches diese steif- 
gebundene Gattung allein beschützt und. beseelt  diess ging für an- 
derthalb Jahrhunderte verloren.  
Schon für alle Einzelstatuen (geschweige denn für Gruppen) wird 
nun irgend ein Moment angenommen, der ihre Bewegung begründen 
soll. Bisweilen gab es freie 'I'hemata, welche aus keinem andern 
Grunde gewählt wurden. So Berninfs sehleudernder David (Villaa 
Borghese), welcher die grösste äussere Spannung einer gemeinen ju- 
gendlichen Natur ausdrückt. Aber welcher Moment sollte in die zahl- 
losen Kirehenstatuen, in all die Engel und Heiligen gelegt werden, die 
auf Balustraden, in Fassadennischen, in Nebennischen der Altäre 
u. a. a. O. zu stehen kamen? Die Aufgabe war keine geringe! Ber- 
nini hatte z. B. mittelbar oder unmittelbar für die 162 Heiligen zub 
sorgen, welche auf den Colonnaden vor S. Peter stehen, und ähnliche, 
wenn auch minder ausgedehnte Reihenfolgen kamen bei der Aus- 
zierung von Gebäuden nicht selten in Arbeit. 
Die Sculptur ging nun auch hier der Malerei getreulich nach und 
nahm ihr den ekstatiseh gesteigerten, durch Geberdenversinn- 
lichten Gefühlsausdruck ab. Derselbe ist an sich gar wohl dar-
        

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