Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1070866
Gewandung. 
Amtstrachten. 
695 
Die Gewandung ist vollends eine wahrhaft traurige Seite dieses 
Styles. Es bleibt ein Räthsel, dass Bernini zu Rom, in der täglichen 
Gegenwart der schönsten Gewandstatuen des Alterthums sich so ver- 
irrte. Allerdings konnten ihm lbgeiiguren und Musen nicht unbe- 
dingt zum Vorbild dienen, weil er lauter b ewegte, affectvolle Motive 
bearbeitete, die im Alterthum fast nur durch nackte Figuren reprä- 
sentirt sind; allein auch seine Aufgaben zugegeben, hätte er die Ge- 
wandung anders stylisiren müssen. Er eomponirt diese nämlich ganz 
nach malerischen Massen, und giebt ihren hohen, plastischen WVerth 
als Verdeutlichung des Isiörpermotives völlig Preis. 
In Porträtstatuen, wo der Affect wegiiel und die Amtstraeht 
eine bestimmte Charakteristik der Stoffe verlangte, hat dieser Styl 
Trefiliches aufzuweisen. Seit Berninfs Papststatuen (Denkmäler Ur-a 
bans VIII und Alexanders VII in S. Peter) legte sich die Sculpturb 
mit einem wahren Stolz darauf, den schwerbriichigen Purpur des ge- 
stickten Palliums, die feinfaltige Alba, die Glenzstoäe der Ermel, der 
Tunica etc. in ihren Contrasten darzustellen. Von den Statuen Papst 
Urbans ist diejenige am Grabe (im Chor von S. Peter) durch beson. 
ders niedliche Einzelpartien dieser Art, durchbrochene Manschetten und 
Säume etc., diejenige im grossen Saal des Conservatorenpalastes da-c 
gegen durch kecke EHectberechnnng auf die Ferne merkwürdig. Auch 
die Cardinalstracht wurde bisweilen gut und würdig behandelt (La-d 
teran, Cap. Corsini). Fürsten, Krieger und Staatsmänner sind wenig- 
stens im Durchschnitt besser als Engel undlleilige, wo sie nicht durch 
antike (und dann schlecht ideale) Tracht und heftige Bewegungen in 
Nachtheil gerathen wie z. B. die meisten Reiterstatuen. Von den letz- 
tern, soweit sie dem berninischen Styl angehören, reicht keine an den 
grossen Kurfürsten auf der langen Brücke in Berlin. (Von Schliiter.) 
Francesco Mvcßhi (i 1646), der etwa die Grenzscheide zwischen dem e 
bisherigen und dem berninischen Styl bezeichnet, hat in Ross und 
Reiter die äusserste Aifectation hineinzulegen gewusst. (Brcnzcdenk- 
mäler des Alessandro und des Ranuccio Farnese anf dem grossen 
Platz in Piacenzah)  An Grabmälern in den Kirchen findet man zahl- 
reiche Halbiiguren, in welchen das lange Haar, der Kragen, die Amts- 
tracht bisweilen mit dem ausdrucksvollen Kopf ein schönes Ganzes 
ausmachen.
        

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