Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1070841
Kinder. 
Idealköpta. 
Charakterköpfe. 
693 
Affecte so einfach sind, dass man sie nicht Wohl durch Pathos ver- 
derben kann (was einzelne Künstler dennoch versucht haben). A1- 
gardi und Duquesnoy genossen zu ihrer Zeit einen gerechten 
Ruhm für ihre oft ganz naiven und schönen Kinderiiguren. (Von 
let-zterm ein paar Köpfe an den Grabmälern der zwei hintersten Pfei-i 
ler in S. Maria dell, Anima zu Rom.) Von ihren Nachfolgern lässt 
sich nicht mehr so viel Gutes sagen; die Putten wurden in so he- 
sinnungsloser Masse decorativ verbraucht, dass die Kunst es damit 
allmählig leicht nahm. Und doch wird man selbst unter den von 
Stucco zu Tausenden improvisirten Figuren dieser Art sehr viele wahre 
und schöne Motive finden, die nur unter der rnanierirten und sorglo- 
sen Einzelbildung zu Grunde gehen. 
Selbst einzelne Idealköpfe der Schule haben einen Werth, der 
sie doch immer mit guten bolognesischen Gemälden in eine Reihe stellt. 
Das XVII. Jahrhundert" hatte wohl im Ganzen einen andern Begriif 
von Schönheit als wir und legte namentlich den Accent des Leibreizes 
auf eine andere Stelle, wovon Mehreres bei Anlass der Malerei; allein 
desshalb werden wir doch z. B. gewissen Köpfen AlgardPs (z. B. 
im rechten Querschiif von S. Carlo zu Genua), oder der Statue derb 
Mathildis von Bernini (in S. Peter) eine dauernde Schönheit nichtc 
ganz abstreiten dürfen. Hie und da ist die Einwirkung der (damals 
noch in Rom befindlichen und vielstudirten) Niobetöchter nicht zu ver- 
kennen. Anderes ist mehr national-italienisch. Selbst ohne höhern 
geistigen Adel nehmen sich doch manche Madonnenköpfe, frei behandelt 
und zwanglos gestellt wie sie sind, recht gut aus. So z. B. mehrere 
Assunten des Filippo Parodi auf genuesischen Hochaltären. Im 
Ganzen ist freilich die ideale Form etwas geistesleer. 
Die sog. Charakterköpfe folgen ganz der Art der damaligen 
Maler, und zwar nicht der bessern. Bernini selber steht dem Pietro 
da Cortona viel näher als etwa dem Guercino; seine männlichen Indi- 
viduen sind von jenem gemein-heroischen Ausdruck, der in" der Ma- 
lerei erst seit der Epoche der gänzlichen Verflachung (1650) herr- 
schend wurde. An seinem Oonstantin (unten an der Scala regia. imd 
Vatican) hat man den mittlern Durchschnitt dessen, was er für einen 
würdigen Typus des Mannes und des Pferdes hielt; sein Pluto (Villae 
Ludovisi) ist in der Kopfbildung ein Excess der cortonistischen Richtung.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.