Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1070675
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Sculptur des XVI. Jahrhunderts. 
Michelangelo. 
aGenua. zweifelhaft;  über eine Gruppe der ePietä in S. Rosalia. zu 
Palestrina, ist mir nichts Näheres bekannt;  die Statue Gregors d. 
bGr. in einer der Capellen neben S. Gregorio in Rom, von Cordieri 
vollendet, hat wohl am ehesten Anspruch auf Erfindung und Theil- 
nehme des Meisters;  als Jugendarbeit wird ihm der kleine nackte 
ßChristus am Grabmal Bandini im linken Seitenschiff des Domes von 
Siena. beharrlich zugeschrieben etc. etc.) 
Der Beschauer wird merkwürdig gestimmt gegen einen Künstler, 
dessen Grösse ihm durchgängig irnponirt und dessen Empfindungs- 
Weise doch so gänzlich von der seinigen abweicht. Die frucht- 
bringendste Seite, von welcher aus man Michelangelo betrachten kann, 
bleibt doch wohl die historische. Er war ein grossartiges Schick- 
sal für die Kunst; in seinen Werken und ihrem Erfolg liegen we- 
sentliche Aufschlüsse über das Wesen des modernen Geistes offen 
ausgesprochen. Die Signatur der drei letzten Jahrhunderte, die 
Subjectivität, tritt hier in Gestalt eines absolut schrankenlosen 
Schaffens auf. Und zwar nicht unfreiwillig und unbewusst wie sonst 
in so vielen grossen Geistesregungen des XVI. Jahrh, sondern mit 
gewaltiger Absicht. Es scheint als ob Michelangelo von der die Welt 
postulirenden und schaffenden Kunst beinahe so systematisch gedacht 
habe, wie einzelne Philosophien von dem weltschaifenden Ich. 
Er hinterliess die Sculptur erschüttert und umgestaltet. Keiner 
seiner Kunstgenessen hatte so fest gestanden, dass er nicht durch 
Michelangelo desorientirt worden wäre  in welcher Weise haben 
wir schon angedeutet. Aber die äussere Stellung der Sculptur hatte 
sich durch ihn ungemein gehoben; man wollte jetzt wenigstens von 
ihr das Grosse und Bedeutende und traute ihr Alles zu. 
Die Gehülfen des Meisters haben, seit sie das waren, kaum mehr 
einen eigenthümlichen WVerth. Wir nennen zuerst Gio v. Angela 
Mentors oli (1498-1563), der den Michelangelo schon von dessen 
frühem Werken, zumal von der Sistina an begleitet und naehahmt, 
dabei aber auch Einwirkungen von Andrea. Sansovino und von den
        

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