Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1070663
Letzte Arbeiten. 
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daraus befreien; aber irgend ein Umstand kommt dazwischen und die 
Arbeit bleibt liegen i). 
Endlich sorgte Michelangelo eigenhändig für sein Grabmal; esa 
sollte wieder eine Piett. sein. Damals begann er wahrscheinlich das- 
jenige Werk, welches jetzt im Hof des Palazzo Rondanini zu Rom 
(am Corso) steht, und das am besten unbesichtigt bleibt. Wie konnte 
er, nachdem der Block schon so verdorben war, wie man ihn sieht, 
doch noch diese Gestalten herauszwingen wollen, auf Kosten der- 
jenigen Körperverhältnisse, die Niemand besser kannte als Er? Leider 
ist wohl jeder Meisselschlag von ihm. 
Später arbeitete er- der Sage nach aus einem Capitäl des Frie-b 
denstempels, das ihm Papst Paul III geschenkt  diejenige Gruppe, 
Welche jetzt im Dom von Florenz, unter der Kuppel, aufgestellt 
ist. Er hat den Werth einer monolithen Arbeit überschätzt und dem 
Marmor, Welcher nicht reichte, das Unmögliche zugemuthet, um Fi- 
guren herauszubrmgen, die sich der Lebensgrösse Wenigstens nähern. 
Es ist ein höchst unerquickliches Werk, von der rechten Seite ge- 
sehen unklar, durch die Gestalt des Nicodemus zusammengedrückt. 
Die Stellung der Leiche dürfte mit jener ersten Pieta in S. Peter nicht 
von ferne verglichen werden. 
Eine ganz späte Arbeit soll auch die angefangene Büste desß 
Brutus in den Ufiizien (Halle d. Hermaphr.) sein, angeblich nach 
einer antiken Gemme, wahrscheinlich aber ein frei geschaffcnes Cha- 
rakterbild und ein Gegenstand, der dem trotzigen Sinne des Meisters 
nahe lag. Physiognomisch abstossend und dabei grandios behandelt 
 Das eigene Bildniss Michelangelds, ein schöner Bronzekopf, imd 
Conservatorenpalast des Capitols (5. Zimmer) gilt als seine Arbeit. 
Zahllose kleine Modelle seiner Hand sind zerstreut und zu Grunde 
gegangen; was von der Art in italienischen Sammlungen vorkommt 
verdient insgemein wenig Zutrauen. (Der Christuskopf in S. Agnesee 
bei Rom, in einer Cap. rechts, ist jedenfalls nicht von ihm ausgeführt; 
 das Relief einer Pieta in der Kirche des Albergo de' poveri zuf 
1) Wenn auch Michelangelo schon 1503 für die Querbaucapellen des Domes in 
Florenz die Statuen der 12 Apostel bestellt erhielt, so kann er doch den vor- 
liegenden S. Matthäus wohl viel später und für eine andere Bestimmung ge- 
arbeitet haben. Der Styl nöthigt zu einer derartigen Annahme. 

        

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