Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1070625
Grabmal Julius II. 
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lich übermenschlichen Bildung, als sie das charakteristische Leben 
dieser Theile auf eine Weise gesteigert sehen lassen, die in der Wirk- 
lichkeit nicht so vorkömmt. Alles bloss Künstlerische wird an dieser 
Figur als vollkommen anerkannt, die plastischen Gegensätze der 'I'heile, 
die Behandlung alles Einzelnen. Aber der Kopf will weder nach der 
Schädelform noch nach der Physiognomie genügen und mit dem herr- 
lich behandelten Bart, dem die alte Kunst nichts Ähnliches an die 
Seite zu stellen hat, werden doch gar zu viele Umstände gemacht 
der berühmte linke Arm hat im Grunde nichts anderes zu thun, als 
diesen Bart an den Leib zu drücken.  Rahel, das beschauliche 
Leben, ist im Motiv ganz sinnlos; sie hat so eben auf dem Schemel 
nach rechts gebetet und wendet sich plötzlich, noch immer betend, 
nach links; zudem scheint ihr linker Arm schon oben verbauen. Das 
Detail sonst trefflich.  Lea, das thätige Leben, mit dem Spiegel 
in der Hand, zeigt in der Draperie unnütze und bizarre Motive und 
unschöne Verhältnisse der untern Theile. Die Köpfe haben wohl etwas 
Grandios-Neutrales, Unpersönliches, welches die Seele wie ein Klang 
aus der ältern griechischen Kunst berührt, aber auch eine gewisse 
Kälte. 
Ausser diesen drei Statuen hat Michelangelo oifenbar in sehr 
verschiedenen Zeiten eine Anzahl von nackten Figuren gemeisselt, 
welche theils zum Grabmal Julius II Wirklich gehören sollten, theils 
wenigstens damit in Verbindung gebracht werden. Das trelflichste 
sind die beiden „Sclaven" im Louvre, die oifenbar Stücke aus der 
Reihe jener Gefesselten sind. Weniger lässt sich dies verbürgen bei 
den vier (nur theilwcise aus dem Rohen gearbeiteten und betracht-a 
lieh grössern) Statuen in einer Grotte des Gartens Boboli zu Flo- 
renz (vom Eingang links); es sind höchst lebensvolle Aete des Leh- 
nens und Tragens; die beiden vordern freilich kaum erst kenntlich 
Dann eine Gruppe, betitelt „der Sieg", im grossen Saale des Palazzob 
vecchio; ein Sieger auf einem (unvollendeten) Besiegten knieend, 
und das während des Kampfes nach hinten gestreifte Gewand wieder 
hervorziehend, mit einer Wendung und Bewegung, die freilich hie- 
durch nur nothdürftig motivirt wird. (Spätere Zeit?) 
Wir kehren wieder in seine frühere römische Epoche zurück und 
nennen zunächst den Christus im Querschiif von S. Maria soprac
        

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