Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1070613
670 
C198 XVI. Jahrhunderts. 
Sculptur 
Michelangelo. 
David ungemein an Schönheit und Leben, allerdings mit Ausnahme 
des Kopfes, der in einer ganz andern Stimmung hinzugearbeitet scheint. 
Wenn in dieser Statue noch eine gewisse Modellbefangenheit nicht 
zu verkennen ist, so finden wir Michelangelo einige Jahre später auf 
der Höhe seines künstlerischen Könnens in dem nach 1504 entworfe- 
nen, in der nächstfolgenden Zeit stückweise ausgeführten Grabdenk- 
amal Papst J ulius II für die Peterskirche. Die sehr flüchtige Ori- 
ginalzeichnung, die von dem Werke doch vielleicht nicht das defini- 
tiv angenommene Projcct wiedergiebt, ist in der ilorentinisehen Samm- 
lung der Handzeichnungen aufbewahrt. Ein hoher Bau in länglichem 
Viereck sollte an seinen Wänden nackte gefesselte Gestalten (die von 
Julius wicdererworbenen Provinzen und die durch seinen Tod in 
Knechtschaft gedachten Künste) und auf seinen Vorsprüngen jeden- 
falls die sitzenden Statuen des Moses und Paulus enthalten, anderer 
Zuthaten nicht zu gedenken. Die Symbolik war eine willkürliche, ja 
eine zweideutige; wer hätte z. B. Moses und Paulus für Allegorien 
des thätigen und des beschaulichen Lebens genommen? und doch 
waren sie so gemeint. Aber als plastisch-architektonisches Ganzes 
gedacht wäre das Grabmal doch immer eines der ersten Werke der 
Welt geworden. 
Erst dreissig Jahre später, unter Paul III kam dasjenige Denk- 
bmal zu Stande, welches jetzt in S. Pietro in Vincoli steht. Es 
ist kein Freibau, sondern nur noch ein barocker Wandbau daraus ge- 
worden; die obern Figuren sind von den Schülern nach dem Entwurf 
des Meisters hinzugearbeitet und zwar nicht glücklich; in dem armen 
Papst, der sich zwischen zwei Pfeilern strecken muss so gut es geht, 
ist auch die Anordnung unverzeihlich. Unten aber stehen die für das 
ursprüngliche Project in der frühem Zeit eigenhändig gearbeiteten 
Statuen des Mosesfnebst Rahel nnd'Lea, letztere wiederum als Sym- 
bole dcs beschaulichen und des thätigen Lebens, nach einer schon in 
der Theologie des Mittelalters vorkommenden, an sich absurden Typik. 
 Moses scheint in dem Moment dargestellt, da er die Verehrung 
des goldenen Kalbes erblickt und aufspringen will. Es lebt in seiner 
Gestalt die Vorbereitung zu einer gewaltigen Bewegung, wie man sie 
von der physischen Macht, mit der er ausgestattet ist, nur mit Zittern 
erwarten mag. Seine Arme und Hände sind von einer insofern wirk-
        

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