Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1070566
Michelangelo. 
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roti (1474-1563). Er sagte von sich selbst, einmal er sei kein 
Maler, ein anderes Mal die Baukunst sei nicht seine Sache, dagegen 
bekannte er sich zu allen Zeiten als Bildhauer und nannte die Sculp- 
tur (wenigstens im Vergleich mit- der Malerei) die erste Kunst: „Es war 
ihm nur dann wohl, wenn er den Meissel in den Händen hatte." 
Seine Anstrengungen, dieses fest erkannten Berufes Herr zu Wer- 
den, waren ungeheuer. Es ist keine blosse Phrase, wenn behauptet 
wird, er habe zwölf Jahre auf das Studium der Anatomie verwandt; 
seine Werke zeigen ein Ringen und Streben wie die keines Andern 
nach immer grösserer schöpferischer Freiheit. 
Der erste Anlauf, welchen Michelangelo nahm, war über alle 
Massen herrlich. In den Räumen des Palazzo Buonarroti zu. R 
Florenz (Via Ghibellina N. 7588), welche von dem jüngern, als Dich- 
ter berühmten Michelangelo B. dem Andenken und den Reliquien des 
grossen Oheims geweiht worden sind 1), wird ein Relief aufbewahrt, 
welches dieser in seinem siebzehnten Jahr verfertigte: „Hercules im 
Kampf gegen die Oentaurenü, d. h. ein Handgemenge nackter Figuren, 
unter welchen auch Centauren vorkommen. Obwohl im Geiste des 
überreichen römischen Reliefs gedacht, enthält es doch Motive von. 
griechischer Art und Lebendigkeit, Wendungen von Körpern, welche 
den bedeutendsten momentanen Ausdruck mit der schönsten Form 
verbinden; dass in dem Mcnschenknäul vor der mittlern Figur das 
Mass überschritten wird, geschieht doch nicht auf Kosten der Deut- 
lichkeit und lässt sich durch die Jugend des Künstlers entschuldigen. 
Vielleicht noch früher ist das Flachrelief einer saugenden Madonnab 
im Profil (ebendort) gearbeitet; eine der ersten Arbeiten, welche aus 
dem Realismus des XV. Jahrh. ganz entschieden hinausgehen in den 
rein idealen Styl. 
Wie vollkommen liebenswürdig wusste Michelangelo damals zu 
bilden! An der Arca di S. Domenico in der Kirche dieses Hai-c 
ligen zu Bologna ist von ihm der eine knieende Engel mit dem 
Candelaber (derjenige links vom Beschauer); ein so hold jugendliches 
Köpfchen, wie es damals nur Lionardo da Vinci zu bilden im Stande 
gewesen wäre. Den schweren Gewandstoff, der zu einer lcbensgros- 
Ü Sichtbar jeden Donnerstag.
        

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