Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1070415
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Sculptur des XVI. Jahrhunderts. 
Oberitaliener. 
a und sehr tüchtig: die Lunettengruppe der Auferstehung Christi, aussen 
am linken Seitenportal (wenn Christus sich auf einen sitzenden Wäch- 
ter zu stützen scheint, so hat der Künstler diess wohl nur gethan um 
sich in einem reichern Linienproblem zu versuchen);  ferner drei 
von den Reliefs der Geschichte Mosis am rechten Pilester desselben 
Portals, in offenbaren; und glücklichem Wetteifer mit Tribolo (S. G43) 
entworfen sowohl als ausgeführt.  Mehr malerisch als plastisch, aber 
köstlich wie die besten jener Miniaturgeschichten der ferraresischen 
bMalerschule erscheinen die drei Reliefs am Untersatz der berühmten 
Arca in S. Domenico, eine der geistvollsten und delicatesten Ar- 
beiten dieser Gattung. 
c Eine ungleiche, zum Theil sehr tüchtige Arbeit sind die Me- 
ddaillonköpfe an Pal. Bolßnini, N. 77.  Das Grabmal Ramazzotti in 
S. Micchele in Bosco (rechts vom I-Iauptportal) ist eines der besten 
jener oberitalischen Soldatengräber, welche den Geharnischten schlum- 
mernd und über ihm die Madonna darstellen. 
In Alfonsds spätester Zeit entstand dann wahrscheinlich die über 
clebensgrosse, Iigurenreiche Thongruppe im Oratorium bei S. Maria 
della Vita (zugänglich auf Nachfrage in den links an die Kirche 
stossenden Bureaux, eine Treppe hoch). Nicht ohne Mühe erkennt 
man darin eine Darstellung des Todes llifariii; ringsum die Apostel, 
vorn am Boden die nackte Figur eines "Widersachers; ein eifriger 
Apostel will eben ein schweres Buch auf ihn werfen, wird aber von 
dem in der Mitte erscheinenden Christus zurückgehalten 1). Mit die- 
sem wunderlichen Zug, der uns sonst bei keiner Darstellung dieser 
Scene vorgekommen ist, bezahlt Alfonso seinen Tribut an die alt- 
oberitalische Manier des heftigen, grellen Ausdruckes. Sonst ist die 
Gruppe merkwürdig durch ihren Gegensatz zu denjenigen des Be- 
garelli; sie macht Anspruch auf plastische, nicht bloss malerische An- 
1) Vasari sagt: „ein rühmliches XIVex-k, worin u. a. ein Jude auffällt, der die 
Hände an die Todtenbahre der llrladunna legt."  Wozu der deutsche Heraus- 
geber bemerkt; dieses Ereigniss werde erzählt in der Schrift "de transitu 
virginis", welche dem Bischof Melito (II. Jahrh.) zugeschrieben wurde, jetzt 
aber für beträchtlich neuer gilt. Ich will die oben im Text gegebene Deu- 
tung nicht weiter vertheidigen, da meine Erinnerung an die Gruppe nicht 
mehr frisch und die genannte Schrift mir nicht zur Hand ist.
        

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