Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1070292
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Sculptur des XVI. Jahrhunderts. 
tonische Partieh, Altäre, Grabmäler u. s. w. werden ihr jetzt oft aus- 
schliesslich überlassen.- 
Sie ist ferner freier in ihren Mitteln; die Lebensgrösse ihrer 
Gestalten, im XV. Jahrh. eher Ausnahme als Regel, genügt jetzt nicht 
mehr; das I-Ialbeolossale wird das Normale und das ganz Riesenhafte 
kommt nicht selten vor. 
Sie ist endlich freier im Typus. Die biblischen Personen wer- 
den noch einmal nach plastischen Bedürfnissen umstylisirt, und auch 
die mythologischen nichts weniger als genau den entsprechenden an- 
tiken Bildungen nachgeahmt. Die Allegorie geht vollends geradezu 
in das Unbedingte und Schrankenlose. 
Diese viele Freiheit musste nun aufgewogen werden durch die 
freiwillige Beschränkung, welche der hohe plastische Styl sich selber 
auferlegt, durch Grösse innerhalb der Gesetzlichkeit. Der Geist des 
XV. Jahrh. in der Sculptur War vor allem auf das Wvirkliche und 
Lebendige gerichtet gewesen, das cr bald liebenswürdig, bald unge- 
stüm, oft mit hoher Ahnung der obersten Stylgesetze, oft roh und 
fessellos zur Darstellung brachte. Dieses Wirkliche und Lebendige 
sollte nun in ein Hohes und Schönes verklärt werden. 
Hier trat das Alterthuni noch einmal begeisternd und befreiend 
ein. Ganz anders als zur Zeit Donatellds und der alten Paduaner, 
Welche der Antike ihren decorativen Schein als Hülle für ihre eigenen 
Gedanken abnahmen, erforschten jetzt einige Meister das Gesetzmäs- 
sige der alten Plastik. Es war vielleicht ein kurzer Augenblick; 
nur sehr wenige thaten es ernstlich; bald überwog iiusserliche manie- 
rirte Nachahmung nach den Werken dieser Meister selbst, wobei so- 
"wohl das Alterthum, als das bisher eifrig gepflegte Studium des Nack- 
ten halb vergessen wurden;  nichtsdestoweniger blieben von der 
empfangenen Anregung einige kenntliehe Züge zurück: die Absicht 
auf grossartige Behandlung des Nackten und die Vereinfachung der 
Zuthatexi, hauptsächlich der Gewandung. (Innerhalb der einfachen 
Draperie hielten sich freilich die vielen und überflüssigen Faltenmo- 
tive mit Hartnäckigkeit.) Sodann beginnt mit Andrea Sansovino, wie 
wir sehen werden, die ebenfalls dem Alterthum entnommene b ewus ste 
Handhabung des Gegensatzes der einzelnen Theile der Gestalt, das 
Hervortreten der linken gegen die rechten, der obern gegen die unteru
        

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