Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1070283
Sculptur des XVI. Jahrhunderts. 
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Wenn die grossen Bildhauer des XVI. Jahrh. bei weitem nicht 
die grossen Maler dieser Zeit aufwiegen, wenn sie nicht zu halten schei- 
nen, was das XIV. und XV. Jahrh. in der Sculptur versprach , so 
lag die Schuld lange nicht blose an ihnen. 
Die unsichtbaren Schranken, welche zunächst die kirchliche Sculp- 
tur umgeben und ihr nie gestatten, das zu werden, was die griechi- 
sche Tempelseulptur war, sind schon oben mehrfach angedeutet wor- 
den. An ihre Seite trat jetzt allerdings eine profane und eine nur 
halbkirchlichtyallegorische Scnlptur, allein dieser fehlte die innere Noth- 
wendigkeit, sie war und blieb ein ästhetisches Belieben der Gebildeten 
jener Zeit, nicht eine nothwendige Äussernng eines allverhreitetcn my- 
thologischcn Bewusstseins. 
Dafür wird die Sculptui- im XVLJahrh. eine freie ro Kunst als 
sie je gewesen war. Nehmen wir z. B. die Grabmiiler als Massstab 
des Verhaltens der beiden Künste an, so herrscht in der gothischen 
Zeit die Architektur völlig" vor; das Bildwerk scheint um des Bauge- 
riistes willen da zu sein. Zur Zeit der früher-n Renaissance ist es 
statt der Architektur schon eher nur die Decoration, welche als Ni- 
sche, als Triumphbogen die Sculpturcn einfasst; wohl ist sie um der 
letztem willen vorhanden und dennoch gehört die Gcsammtwirkung 
noch wesentlich dem decerativen, nicht dem plastischen Gebiet an. 
Dieser bisher immer noch mehr oder weniger bindende Zusammen- 
hang mit der Architektur nimmt jetzt einen ganz andern Charakter 
an; die beiden Künste brauchen einander fortwährend, allein die Senlp- 
tur ist nicht mehr das Kind vom Hause, sondern sie scheint bei der 
Architektur zur Miethe zu wohnen; man überlässt ihr Nischen und 
Balustraden, damit mag sie anfangen, was sie will, wenn sie nur die 
Baulinien nicht auiilillend stört. Wo sie kann, richtet sie sogar das 
Gebäude nach ihren Bedingungen ein. Ganze bisher mehr architek-
        

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