Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1070107
Venedig. 
Mastro Bartolommeo. 
619 
den Zug der Zeit darauf gekommen, noch ehe die Antikensammlung 
des (1394 gehornen) Malers Squarcione in Padua vorhanden war 1). 
Sein frühstes Hauptwerk, in der entlegenen Kirche der Abbaziaa 
(links vom Portal) ist eine grosse ehemalige Thiirlunette; die „Mater 
misericordiee", von jener reichen deutschen Lieblichkeit des Antlitzes, 
die aus so manchem venezianischen Marmorkopf des XIV. Jahrh. 
her-ausschaut, steht zwischen kleinern knieenden Mönchen, deren Ge- 
berden und Bildnisszüge die tiefste Andacht ausdrücken; Engel halten 
das Gewand der Jungfrau über ihnen ausgespannt; der übrige Raum 
ist ausgefüllt durch Laubwcrk mit den Ilalbiiguren von Propheten; 
das Kind ist als Relief in die colossale Agraffe versetzt, welche den 
Mantel der Maria zusammenhält  eine in diesem architektonischen 
Styl und in dieser Zeit vollkommen glückliche Kühnheit  Zu den 
Seiten zwei Engelstatuen, decorativ und fast roh wie die Lunette auch, 
aber von demselben tiefen Ausdruck. (An der YVand gegenüber drei 
Statuen weiblicher Heiligen, schon dem spätem Styl Bfs näher.) 
Wenn nun hier noch der germanische Styl, obwohl bereits ge- 
mildert, vorherrscht, so zeigt die Portal-Lunette an der Scuola dib 
S. Marco einen ganz ähnlichen Gegenstand entschieden in der neuen 
Art gebildet. Wir sehen S. Marcus, eine würdige Gestalt, thronend 
zwischen der knieenden Bruderschaft, deren Vorsteher ihm die linke 
Hand küsst, während er mit der Rechten segnet. Der Styl der neuen 
Zeit drückt sich ganz sprechend aus in einem jener neu gewonnenen 
Reizmittel, die dem XIV. Jahrh. noch ganz fremd Waren: S. Marcus 
sitzt nach links und wendet sich nach rechts (vom Beschauer).  Die 
Statuen neben und über der Lunette scheinen neuer und restaurirt. 
Das wichtigste spätere Werk Bis sind dann die Sculpturen an 
der Porta della carta des Dogenpalastes (1439). Sowohl in denc 
vier Tugenden als in den Engeln und Putten oben trifft er hier  
wahrscheinlich zufällig  ziemlich nahe mit Quercia zusammen. Mit 
dem muthwilligen Herumklettern, ja schon mit der Darstellung dieser 
nackten Kinder ist die Renaissance offen ausgesprochen; von den Tu- 
 Vasari, im Leben des Scarpaccia, nennt wohl einen Dorent. Biädhauer Simon: 
Bianco, der sein Leben in Venedig zugebracht habe, giebt aber keine Werke 
desselben an. 
 Für welche überdiess byzantinische Vorbilder vorhanden vwraren,
        

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