Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1069882
Donatello. 
Statuen. 
597 
Was andere vielleicht ungleich weniger begabte Zeitgenossen glücklich 
m1 Tage förderten. Als Gegengewicht legt Donatello beständig seine 
Charakteristik in die Wagsehale. Selbst die einfach normale Körper- 
bildung muss daneben unaufhörlich zurücktreten, während er die Ein- 
zelheiten der menschlichen Gestalt begierig aufgreift, um sie zur Be- 
zeichnung des gewollten Ganzen zu verwenden. 
Nur er war im Stande, die heil. Magdalena so darzustellema 
wie sie im Baptisterium von Florenz dasteht; an der zum länglichen 
Viereck abgeniagerten Figur hängen die Haare wie ein zottiges Fell 
herunter. Das Gegenstück dazu bilden die Statuen Johann es desb 
Tiinfcrs; so die bronzene im Dom von Siena (Cap. S. Giovanni); 
was das sehr umständlich behandelte 'l'hierfell vom Körper übrig 
lässt, besteht aus lauter Adern und Knochen; ungleich geringer die 
marniorne in den Ufiizien (Ende des 2. Ganges), welche vor lautere 
 Charakter weder so stehen noch auch nur leben könnte. Ein dritter 
mehr dem sienesischen entsprechender Johannes iimlet sich in den 
Frari zu Venedig (2. Cap. links vom Chor); wenigstens ungesuchterd 
in der Stellung. Zum Beweis, wie wenig ihm die Schönheit- aller- 
dings unter den Bedingungen des XV. Jahrh.  fchlte, wenn er nur 
Wollte, dient der jugendliche bronzene David in den Uftizien (I. Zim-e 
mer der Bronzen).  
Eine etwas edlerc Bildung zeigt der Crueifixus in S. Croeef 
zu Florenz (Cap. Bardi, Ende d. 1. Quersehifllas), ein kunstgeschicht- 
lieh (als Muster Sptiterer) wichtiges Werk, geschahen in Concurrcnz 
mit Bruncllesco (S. 596, b).  (Das bronzene Crucifix summt den dazu 
gehörenden Statuen hinten im C-hor des Santo zu Padua. fand derg 
Verf. wegen der Fasten verhüllt.) 
In der Gc wandung arbeitete Donatello ganz oifenbar nach Mo- 
delldrapericn in einem meist schweren Stoff und ohne die Motive des 
Maxincquins sowohl als der Falten lange zu wählen. Wo er nicht 
durch sonstige sehr bedeutende Ziige entschädigt, erscheint er daher 
in durchschnittlichem Nachtheil gegenüber den stylvollen Gewandiigu- 
ren des XIV. Jahrli. und vollends GhibertPs. So z. B. in dem bronze- 
nen S. Ludwig von Toulouse über dem mittlern Portal von S. Croce,h 
dessen Kopf er absichtlich bornirt gebildet haben soll. Sonst sind 
seine Heiligen in der Regel Porträtköpfe guter Freimde. Die Stellun-
        

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