Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1069834
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Sculptur des XV. Jahrhunderts. 
Die Robbia. 
liebsten der ganzen Schule.  Aus mehrern Klostergängen, u. a. aus 
der Certosa sind ganze grosse Reihenfolgen von Heiligenköpfen in 
aMedaillons nach der Academie gebracht und in deren Hof eingemauert 
worden; sie sind von sehr verschiedener Güte, die bessern darunter 
aber sehr würdig und zum Theil von himmlischer wie weltlicher Jn- 
bgendschönheit.  (Zwei einzelne Köpfe, ein lachendes Weib und ein 
Bacchus, im Hof von Pal. Magnani.) An Orsanmicchele hat Luca 
czwei von den Medaillons mit holdseligen Reliefs ausgefüllt (sitzende 
Madonna und zwei WVappenengel).  In andern, hauptsächlich klei- 
nern Bauten übernahm die Schule wenigstens die Cassettirung ein- 
dzelner Wölbungen, kleiner Kuppeln (Cap. Pazzi bei S. Croce, wo 
eauch Figürlichcs; Vorhalle des Domes von Pistoja etc); auch die 
fVerzierung des Frieses und der Pendentifs (Madonna delle Carceri in 
Prato etc); kleine Gewölbe wurden wohl ganz ihren Sculptnren ge- 
gwidmet (die vier Tugenden und der heil. Geist, Cap. des Cardinals 
von Portugal in der Kirche S. Miniato etc).  Ein höchst eigenthüm- 
liches Denkmal der ganzen Schule gewährt endlich der grosse Fries 
hdes Hospitals del Ceppo zu Pistoja (seit 1525); die Werke der Barm- 
herzigkeit, hier von Ordenslenten ausgeübt, in zum Theil vortreiilicher 
dramatischer Erzählung durch flgurenreiche Scenen. Hier vorzüglich 
kann man die Mässigung in der Vielfarbigkeit, und zwar auf ver- 
schiedenen Stufen erkennen; Consequenz der Färbung War ferner das 
Verzichten auf allen landschaftlichen und sonstigen perspectivischen 
Hintergrund, der ohne grosse Buntheit nicht wäre anzubringen ge- 
wesen1). Überhaupt ist diese in ihrer Art einzige Arbeit fast ebenso 
wichtig durch das was die Künstler mit weisem Bedacht wegliessen 
als durch das was sie gaben. Das italienische Relief ist rein von 
sich aus hier dem griechischen näher gekommen als irgendwo mit 
Hülfe römischer Vorbilder 2). (Das äusserste Relief rechts im Styl 
beträchtlich moderner.) 
1) Vielleicht hat einst auch im altgrierhischen Belief die Farbigkeit einen grossen 
und zwingenden Einfluss auf die Vereinfachung des Styles geübt.  Das 
Verhältniss der Ilobbia zur Decorntion ihrer Zeit, s. S. 237.  
i) Man vergleiche z. B. die antiliisirenden Thonreliefs eines oder mehrerer un- 
, bekannten Meister (etwa 1530) im Hof des Pal. Gherardesca (Borgo a Pinti) 
in Florenz. Sie sind schon an Liebe und Fleiss der Behandlung nicht mit
        

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