Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1069713
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Germanische Sculptur. 
Venedig. 
besprechen. Ein grosses Stück der Geschichte der Sculptur lässt sich 
hier mit Beispielen aus den verschiedensten Jahrhunderten belegen. 
a Zunächst sollen antike Bildwerke daran vorkommen. Es ist mög- 
lich, dass unter den Kleinigkeiten, die an der Nordseite eingemauert 
sind, sich etwas der Art befindet; dagegen sind die beiden Reliefs mit 
Thaten des Hercules an der vordern Fassade wohl nichts anderes, als 
sehr merkwürdige Versuche eines wohl noch mittelalterlichen Bild- 
hauers (XIV. Jahrhundert?) griechische Reliefs nachzuahmen. 
b Altehristlich ist sodann der Architrav des äussersten untern Fas- 
sadenfensters links;  er bezeichnet das äusserste plastische Unver- 
mögen vielleicht des X. Jahrhunderts, das sich nur durch Zusammen- 
setzung alter (und schlechter) Sarcophagbruchstücke zu helfen wusste, 
um ein Stück biblischer Geschichte zusammenzubringen. Desselben 
Styles ist wohl auch die lteliefplatte in der Capelle Zeno (rechts), so 
wie einiges an der Nordseite der Kirche; der zum Dogengrab (Mo- 
rosini) beniitzte Sarcophag in der Vorhalle zeigt diesen Styl gänzlich 
"barbarisirt. 
Inzwischen griff Byzanz dem plastisch verwahrlosten Venedig 
unter die Arme, durch übersandte oder von griechischen Bildhauern 
an Ort und Stelle gearbeitete Reliefs (Seite 555) I). Die Madonna. in 
oder Capelle Zeno (links) und die fast weggeküsste am ersten Pfeiler 
des rechten Querschiifes gelten als Arbeiten aus Constantinopel; eine 
Anzahl Reliefplatten mit Madonnen und einzelnen Heiligen in der 
Kirche (an Pfeilern und Wänden vertheilt), dann die vier Reliefs zwi- 
sehen den fünf untern Hauptbogen der Fassade (Madonna, S. Deme- 
trius, S. Georg und S. Michael) und diejenigen an den entsprechenden 
Stellen der Nordseite sind eher venezianisch-byzantinisch, nur dass die 
letztgenannten sich schon wieder mehr der abendländischen Weise 
zuneigen. 
1) Die beiden Porphyrreliefß, jedes mit einem sich umarmenden Fürstcnpaar, 
4 aussen bei der Porta dclla Carta, angeblich von Ptolemais hergebracht und 
als nliarmodius und Aristogiton" benannt, sind wohl nichts anderes als Denk- 
mäler irgend einer byzantinischen Doppelregierung, nconcordiee augustornm". 
Ähnliche Darstellungen, aus vielleicht früherer Zeit und eben so barbarisch, 
u. findet man an zwei Porpbyrsäulen in der vaticanischen Bibliothek.
        

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