Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1069543
Sculptur um 1200. 
Niccolö Pisano. 
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In Rom sind aus dieser Zeit erhalten: Die geschnitzten hölzer-a 
nen Pforten von S. Sabina; Streben nach lebendigster Bewegung in 
äusserst befangenen Formen. (Pforte gegen das Kloster.) 
 In all diesen Werken kämpft das Verlangen nach deutlicher und 
energischer Bezeichnung des Lebens mit einer mehr oder weniger 
grossen Ungeschieklichkeit; auch in der Formenbildung zeigt sich noch 
nicht das geringste Bedenken darüber, ob zum Ausdruck des Heiligen 
solche Gestalten und solche (oft skurrile) Geberden auch wirklich hin- 
reichten. Um das Jahr 1200 stand die deutsche Kunst wie in allen 
Beziehungen so auch hierin hoch über der italienischen i). 
Auch die meisten Arbeiten von 1200-1250 gehen nicht weit 
über dieses Niveau hinaus. Als Probe ist die Kanzel in S. Bartolom-b 
meo zu Pistoja zu nennen, von Guido da Como 1250, mit leblos 
zierlichen Reliefs.  Oder die meisten von den Sculpturen in den: 
Vorhalle des Domes von Lucca.  Ungleich besser (aber vielleicht 
erst vom Ende des Jahrhunderts, obwohl noch vollkommen romanisch): 
die Reliefs mit dem Stammbaum und der Jugendgesehichte Christi, and 
den Pfosten des Hauptportals am Dom von Genua. Das Lunetten- 
relief mit dem Salvator und der Marter des heil. Laurentius ist viel 
geringer und auch die steinerne Arca Johannes des Täufers in dessen 
Altar im Dom erreicht jene Thürpfosten an Schwung, Feinheit und 
Leben des Reliefs nicht. 
In dieser Zeit trat nun ein grosser Künstler auf, Niccolb Pi- 
Sano, dessen Wirksamkeit allein schon genügte, um der Sculptur 
eine ganz neue Stellxmg zu geben. Sein Styl ist eine verfriihte und 
desshalb bald wieder erloschene Renaissance; von antiken Reliefs, 
hauptsächlich Sarcophagen begeistert, erweckt Niccolb die gestorbene 
Formenschönheit wieder vom Tode. Aus jenen Vorbildern combinirt 
er mit ungemeinem Takt seine heiligen Geschichten so zusammen, 
dass sie ein lebendiges Ganzes zu bilden scheinen, und ergänzt und 
 Erst im XIV. Jahrhundert geht jene I-Ierabstimmung durch die deutsche Gei- 
sterwelt, die man in zahlreichen Äusserungen navhwßißvn kann. übe!" 110071 
nicht in ihrem Wesen ergründet hat. 
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