Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1069444
Ihre neuen Bedingungen. 
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Schein Gebiete keine Rede mehr. Überdicss würden sich die Gegen- 
stände  zunächst Christus und die Apostel  lange nicht so zu 
diesem Zwecke geeignet haben, wie die I-Icidengötter. Letztere waren 
recht eigentlich mit der Kunst und durch sie zur vollen Gestalt er- 
wachsen; ihre ganze Körperbildung summt Gewand und Attributen 
Stand charakteristisch fest und umfasste den ganzen denkbaren Kreis 
des Schönen, wie die Alten es verstanden. Die heiligen Personen des 
Christenthums dagegen waren von vorn herein nicht mythologiseh, 
sondern geschichtlich und längst ohne alles Zuthun der Kunst Gegen- 
stände des Glaubens, mit welchen sich nicht eben frei schalten und 
walten liess; sie waren ferner nicht erwachsen aus sittlichen und 
Naturkräften und boten also bei Weitem nicht denselben Reichthum 
der Charakteristik dar; endlich war ihre Bedeutung eine iibersinnliche 
und geistige und konnte desshalb überhaupt nie in der schönen Kunst- 
fßrm so rein und ohne Bruchtheil aufgehen wie die Bedeutung der 
heidnischen Typen. 
Die Sculptur half sich wie sie konnte und wie der neue Glaube 
es verlangte. Statt der Gestalten, die sie aus den oben ange- 
gebenen Gründen weder genügend in Betreff des Styles, noch würdig 
in Betreff des Gegenstandes zu beseelen im Stande war, schuf sie 
Geschichten; das Relief verdrängte die Freisculptur und wurde 
zugleich seinerseits ein Anhängsel der Malerei, die jetzt mit ilnn den- 
selben Zweck und zugleich viel reichere Mittel hatte. Bald entscheidet 
das blosse Belieben des kirchlichen Luxus über die Anwendung des 
erster-n oder der let-ztern. Die Kirche verlangt von der Kunst das 
Viele; in ganzen Cyklen geschichtlicher Darstellungen oder wenig- 
stens in ganzen zusanimengehörenden Reihen heiliger Personen will 
sie symbolisch ihr Höchstes verherrlichcn; die beiden Künste, summt 
all ihren Nebengattungen, dienen ihr einstweilen bloss als Mittel zum 
Zweck und müssen ihre innern Gesetze vollkommen Preis geben. 
Der Styl, wie er sich unter solchen Umständen gestalten musste, 
bietet dem Auge wenig dar. Allein das geschichtlich-poetische In- 
teresse kann einen Ersatz schaifen. Höchst merkwürdig ist vor Allem 
der Ernst und die Kraft, womit die Kirche ihre Bilderkreise vervoll-s 
Stäindigt und im Grossen wie im Kleinen wiederholt, sodass eine 
Menge von Typen, nicht bloss für einzelne Personen sondern für
        

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