Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1068054
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Antike Sculptur. 
Typen. 
Tempelstyl. 
so verlangte man durchaus den Eindruck eines unversellrten Ganzen. 
Eine Menge Torsi, die man jetzt als Fragmente aufstellen würde, sind 
in jener Zeit zu vollständigen Statuen restaurirt worden. Die medi- 
ceische Sammlung enthält deren besonders viele. 
 Die Typen oder Darstellungsweisen der Gestalten der alten Kunst, 
namentlich der Götter und I-Ieroen, erhielten ihre bleibende Ausbildung 
in der höchsten Blüthezeit des Griechenthums, im V. und IV. Jahr- 
hundert v. Chr., von Phidias bis Lysippus. Auch später zwar kam 
noch manche einzelne neue Gestalt, manche mehr auf das Zierliche 
gerichtete Auüassungsweise hinzu, und selbst die Zeit Hadrians schuf 
noch aus dem Bilde eines Menschen das Antinous-Ideal; doch über- 
wiegen bei weitem die aus jener frühern grossen Epoche überkomme- 
nen, mehr oder weniger frei wiederholten Typen. 
Daneben erhielt sich aus den Zeiten vor Phidias, ja zum Theil 
aus hohem Alterthum ein früherer, feierlich-befangener Styl, der sog. 
hieratische oder Tempelstyl. Werke aus der alten Zeit der 
wirklichen Herrschaft desselben sind in Italien äusserst selten; ausser 
den Metopen des Tempels von Selinunt u. a. sicilischen Bruchstücken 
1 wird man etwa noch das Relief eines verwundeten Kriegers im Mu- 
seum von Neapel (Nebenraum des dritten Ganges) und dasjenige der 
b Leucothea in der Villa Albani zu Rom (Zimmer der Reliefs) namhaft 
machen können. Sehr häuiig sind dagegen die später und absichtlich 
in diesem Styl gearbeiteten Seulpturen, namentlich die Reliefs an Al- 
tären; auch Statuen dieser Art kommen nicht selten vor, und für ge- 
wisse Typen, wie z. B. für den bärtigen Bacchus blieb die hieratische 
Darstellungsart sogar die allein herrschende. 
Was konnte die Griechen und später die Römer bewegen, neben 
ihrer freien und grossen Kunst diese befangnere Gattung mit Willen 
festzuhalten? Zuerst war es gewiss die Ehrfurcht vor den Ceremonien, 
welche sich seit unvordenklichen Zeiten an Götter, Weihgeschenke 
und Altäre dieses Styles geknüpft hatten. Später erhielt derselbe den 
Reiz des Alterthümliehen und Einfachen und die Kunst bemühte sich,
        

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