Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1069230
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Antike Sculptur. 
Thlere. 
Pferde. 
Die Pferde der antiken Sculptur beweisen zunächst, dass die 
damalige Pferdeschönheit eine andere war als die, welche die jetzigen 
Kenner verlangen. Wo Mensch und Pferd beisammen sind, wie z. B. 
auf den parthenonischen Reliefs, wird man das Thier schon im Ver- 
hältniss kleiner gebildet finden, aus Gründen des Styles, nicht wegen 
Kleinheit der Race. Sodann galt eine andere Bildung des Kopfes, 
des Nackens, der Brust und der Croupe, namentlich aber ein gedrun- 
generes Verhältnisds der Beine für schön, als jetzt. Aus Mangel an 
Specialkenntnissen kann der Verfasser hierauf nicht näher eingehen; 
die Denkmäler selbst sind so bekannt, dass sie kaum der Aufzählung 
bedürfen. Bei weitem das Schönste ist und bleibt wohl der eine par- 
thenonische Pferdekopi, dessen überall verbreitete Abgüsse man ver- 
gleichen möge; Alles was zum Ausdruck der Energie, ja des edelsten 
Feuers dienen kann, ist scharf und Wirksam hervorgehoben und in 
die Hautfläche ein Leben und eine Bedeutung hineingezaubert, der- 
gleichen bei einem sterblichen Thiere wohl nicht vorkömmt.  Als 
griechische Arbeit galten bekanntlich lange Zeit die vielgewanderten 
avier Bronzepferde über dem Portal von S. Marco in Venedig; 
gegenwärtig hält man sie doch nur für römisch, etwa aus neronischer 
Kunstcpoche; jedenfalls gehören sie zu den besten und sind als ein- 
ziges erhaltenes Viergespann (wahrscheinlich von einem Triumphbogen) 
bunschiitzbar zu nennen.  Die stark restaurirten Pferde der Colosse 
von Monte Cavallo in Rom sind ohne Zweifel Nachahmungen 
griechischer Vorbilder wie die Statuen, in ihrem jetzigen Zustand aber 
nicht massgebend. (Der Kopf des einen sehr ausgezeichnet.)  Rö- 
mische Pferde erscheinen im Ganzen, neben denjenigen des Phidias 
und seiner Schule, roh und im Detail wenig oder nur naturalistisch 
ebelebt, in der Bewegung aber bisweilen trefflich.  Im Museum von 
Neapel verdienen die marmornen Pferde der beiden Balbi (nach mei- 
nem Urtheil) unbedenklich den Vorzug vor dem (sehr zusammen- 
dgeilickten) ehernen herculanensischen Pferde sowohl als vor dem 
eolossalen ehernen Pferdekopf aus dem Palast Colobrano (Abtheilung 
der grossen Bronzen); von den ebenda beiindlichen bronzenen Sta- 
tuetten übertrifft das Pferd Alexanders und das freisprengende das- 
ejenige der Amazone.  In Rom ist das Pferd Marc Aurels auf 
dem Capitol gut gearbeitet und lebendig bewegt, an sich aber ein
        

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