Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1069138
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Antike Sculptur. 
Kaiserköpfe. 
Statue, vielleicht nirgends von besonderm Werthe. Seine Gemahlin 
Julia Domna, die letzte Römerin, von welcher uns die Kunst ein 
awahrhaft schönes und geistvolles Bild hinterlassen hat: Büste in der 
bobern Galerie des Museo capitolino; auch eine gute Colossalbiiste in 
der Sala. rotonda. des Vatieans. Caracalla, auffallend häufig und 
gut, wahrscheinlich einem vorzüglichen Original zu Liebe wiederholt, 
cviellcicht am feinsten durchgeführt in einem Kopf der Biistcnzimmer 
des Vuticans. Ein furchtbares Haupt, ein „Feinrl Gottes und der Men- 
sehen", bei dessen Vcrworfenheit und falscher Genialität der Gedanke 
erwachen muss: es ist Satan. 
Bei diesem Kopfe steht die römische Kunst wie vor Entsetzen 
still; sie hat von da. an kaum mehr ein Bildniss von höhenn Lebens- 
gefühl geschaffen. Die Auffassung wird zusehends ärmlich und ein- 
förmig, die Formen ledern und ilau oder peinlich. Die 'I'heilnahme 
schwindet ausserdem durch die Unsicherheit der Bennungen, iiir Welche 
man auf die schwankenden Gesichtszüge ungeschickter Münzen ange- 
dwiesen ist. Von der capitolinischcn Büste Diocletians und von 
oder neapolitanischen des Probus (Museum, 3. Gang) möchte man 
wenigstens wünschen, dass sie echt wären. Die Köpfe des IV. Jahr- 
hunderts sind zum Theil schon ganz puppcnhaft, die drei capitolini- 
fschen des J ulianus Apo stata. nur durch ein mittelalterliches Zeug- 
niss bewährt. 
Neben diesem V orrath von Ilerrseherbildnissexi existirt noch ein 
viel griisserer von "Ineogniti", Männern und Frauen, welchen man 
durch Beilegung interessanter Namen, zumal aus der letzten Zeit 
der Republik einen willkürlichen Werth beizulegen pflegt. Ohne hier- 
auf Weiter einzugehen, machen wir nur aufmerksam auf das Denkmal, 
welches die Römer der Kaiserzeit hiemit ihren eigenen Personen und 
ihrem Nationaltypus gesetzt haben. Die Büste, und vollends die Sta- 
tue , hat für einen auf das Dauernde gerichteten Sinn den stärksten 
Vorzug vor dem gemalten (oder daguerreotypirten!) Bilde, in welchem 
die jetzige vielbeschäftigte Menschheit vor der Nachwelt aufzutreten 
gedenkt. Freilich gehört Sehädelbau und schwammloses Fleisch und 
ein lebendiger Ausdruck dazu, der nur durch beständigen Verkehr mit
        

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