Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1069095
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Antike Sculptur. 
Ideale Kaiserstatuen. 
lern der Diadochenhöfe ausgebildet worden waren; vielleicht schuf sie 
das Ihrige aus eigenen Kräften. 
Es entstanden thronende Gestalten mit nacktem, ideal gebilde- 
tem Oberleib, dessen leiseddiuwärtsbeugung eine majestätische und 
völlig leichte Ilaltung des Hauptes vorbereiten hilft. Der eine Arm 
wird durch ein hohes Scepter gestützt, das freilich selten richtig re- 
staurirt ist. Das Gewand zeigt sich nur als Bausch über der linken 
Schulter, zieht sich dann hinten herum und bedeckt, rechts wieder 
hervorkomrnend, als mächtige Draperie die Kniee. Ein Fragment im 
aMuseum von Neapel (Hof vor der Halle des farnesisehen Stieres) zeigt, 
wie die Füsse dieser meist sehr zertriimmerten Bilder 1) für eine Auf- 
stellung auf hoher Basis berechnet wurden; sie ruhen auf einem schma- 
len, schräg vorgeschohenen Schemel. 
Die schönsten Exemplare dieser Art sind noch in ihrem frag- 
mentirten Zustande, die Fürsten des augusteischen Hauses, bekannt 
bunter dem Namen der „Kaiserstatuen von Cervetri", im Mu- 
seum des Latcrans. Namentlich zeigt die Gestalt des Claudius, dass 
die römische Kunst auf diesem Gebiet grösserer Dinge fähig war, als 
man ihr gewöhnlich zutraut.  Theilweise ebenfalls noch von hohem 
cWerthe: die erste und besonders die zweite sitzende Statue des Ti- 
dberius im Musco Chiaramonti; der Nerva  in der Sala rotonda 
des Vaticans; letzterer sehr zusammengeflickt, aber von ganz beson- 
ders mäehtigem Gewandmotivg- die beiden mit modernen (ganz will- 
ekürlich gebildeten) Köpfen im Museum von Neapel (dritter Gang) etc. 
Manche einzelne Kaiserköpfe in den römischen u. a. Sammlungen 
zeigen nicht sowohl durch ihre Grösse als durch das eigenthiimlich 
Hohe der Behandlung, dass sie solchen halbidealen Bildwcrkcn an- 
gehörten. 
Endlich wurden die Kaiser als Heroen oder Götter fast oder ganz 
nackt und stehend abgebildet; die Hände sind so selten alt, dass 
wir keine völlige Gewissheit darüber haben, 0b die vorherrschende 
Haltung wirklich die der jetzigen Restaurationen war: nämlich die 
'J'Sie wurden, wie so vieles Colossale, aus xnehrem Stücken zusammengesetzt, 
die später schon durch die blasse Vernachlässigung wieder auseinander lielen, 
selbst ohne absichtliche Zerstörung.
        

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