Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1069054
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Antike Sculptur. 
Dladochenkäpte. 
aßliichtig und sehr verdorben, trotz der griechischen Inschrift eine 
späte Arbeit), einen Alcibiades, welcher der vaticanischen Statue (Sala 
della biga) gleicht, einen jener Köpfe, welche Sappho zu heissen 
pflegen, u. A. m.  
Von den bessern Büsten dieser Art, d. h. von denjenigen, welche 
nicht späte Duzendnachbildungen sind, gilt durchgängig, was schon bei 
Anlass der ganzen Statuen gesagt wurde: sie stellen den Menschen so 
umgegossen dar, wie er nach seinem tiefsten Wesen hätte sein müs- 
sen, und verdienen desshalb den Namen  nicht von "idealisirten", 
sondern von Idealbildnissen im besten Sinne. Es wird nicht etwas 
eonventionell für schön Geltendes von aussen in den Kopf hineinge- 
bracht, sondern das persönliche Ideal, was innen in Jedem verborgen 
lag, wird entwickelt. 
Vielleicht hatte die griechische Kunst schon einen bedeutend 
schwerern Stand, als sie seit Alexander die Fürsten der neuen grie- 
chischen Reiche, seine Nachfolger (Diadochen) verherrlichcn musste. 
Hier galt es nun allerdings lebende Zeitgenossen, und zwar zum Theil 
Menschen von abscheulichcm oder verächtlichem Charakter; und diese 
wollten überdies in einer ganz besondern Weise idealisirt sein, indem 
sie sich oft als bestimmte Götter abbilden liessen. Die griechische 
Scullntur that nun das mehr als Mögliche. Ohne von den bezeichnen- 
den Zügen des Betreffenden wesentlich abzugeben, gab sie dieselben 
mit einer eigenthümlichcn Grösse und Offenheit wieder, wie sie etwa 
in einzelnen guten Stunden konnten ausgesehen haben. Das Ver- 
schmitzte, Kleinlicli-Bösartige, das wir z. B. bei den spätern Ptole- 
miiern vermuthen, wird hier gar nicht dargestellt, weil der Ausdruck 
eines göttlich Waltenden Herrschers das wesentliche Ziel war. Viel- 
leicht die nächste Analogie in der ganzen Kunstgeschichte gewähren 
eine Anzahl von Bildnissen Tizians, in Welchen die Menschen des 
XVI. Jahrhunderts auch so gross und so frei von allem Momentanen 
und kleinlich Charakteristischen vor uns erscheinen, wie sie vielleicht 
selten oder nie sich wirklich ausnahmen. 
Die höchst prunkhaften und zum Theil eolossalen Statuen, welche 
in Antiochien, Alexandrien, Pergamus u. a. damaligen Residenzen er- 
richtet wurden, sind freilich alle verloren und unser obiges Urtheil 
ist auf eine Anzahl von Köpfen im Museum von Neapel beschränkt,
        

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