Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1068981
Antike Sculptur. 
Gruppen. 
507 
(in dem Exemplar welchem das vaticanische Fragment angehört, eine 
an seinem Knie niedergesunkene Schwester schützend);  von den 
Töchtern ist mit Ausnahme der genannten keine in der Arbeit mit der 
verstümmelten laufenden Statue des Museo Chiaramonti (S. 305, d) zu 
vergleichen und zwei oder drei sind ganz gering, was auch von der 
Ausführung in mehrern Söhnen gilt. Der Pädagog ist eine nicht zu 
verachtende römische Arbeit, nur unangenehm restaurirt. Der sog. 
Nareiss ist mit Recht in neuerer Zeit der Sammlung als verwundeter 
Niobide beigesellt worden. Vom todten Sohn ist in München ein noch 
besseres Exemplar. 
Wenn nun vielleicht an keiner der florentinischen Statuen ein 
griechischer Meissel gearbeitet hat, so sind sie doch von grossem und 
bleibendem Werthe. Das überaus grandiose Motiv der Mutter ver- 
einigt die höchste Gewalt des Momentanen mit der grössten Schön- 
heit der Darstellung; sie flieht, schützt und fleht; das Heraufziehen 
des Gewandes mit der Linken, so erfolglos es gegen Göttergeschosse 
sein mag , ist gerade als unwillkürliche Bewegung so sprechend. 
(Diese Theile ergänzt, aber richtig.) Die ganze Gewandung, noch in 
der Nachbildung vorzüglich, muss im Urbild von einer Herrlichkeit 
gewesen sein, die vielleicht keine Antike unter den vorhandenen wie- 
dergiebt; hier ist Alles Bewegung und doch kein Flattern; der herr- 
lichste Körper drückt sich darin aus. Den Kopf geniesst man besser 
in Einzelabgüssen. (Vielleicht wird bisweilen mehr hineinphantasirt 
als in diesem Exemplare wirklich ist.)  Nach der Mutter wird man 
wohl dem Sohne mit dem Gewand über dem Haupt den Preis geben 
Einer genauen Beachtung ist der Typus werth, welcher in diesen 
Gestalten durchgeführt ist. Mutter und Töchter, soweit ihre Köpfe 
echt sind, haben diejenige grossartige, reife Schönheit, welche sich 
der siegreichen, auch wohl der knidischen Aphrodite nähert; selbst 
die jugendlichsten zeigen einen matronnlen Anflug, wovon man sich 
durch Vergleichung mit der mediceischen Venus leicht überzeugen 
kann; es ist das frühere Schönheitsideal der griechischen Kunst über- 
haupt, welches sich zu erkennen giebt.  Die Söhne sind gemässigt 
athletisch gebildet und ihr Gesichtstypus steht zu demjenigen des 
Hermes in einem ähnlichen Verhältniss wie der mehrerer jugendlicher 
Athleten, abgesehen von dem zum Theil meisterhaft mit wenigen
        

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