Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1068975
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Antike Sculptur. 
Gruppen. 
Solange man genöthigt ist, die ilorentinisehen Exemplare zu Grunde 
zu legen, wird man das Ganze nie in einer Giebelgruppe vereinigen 
können. Das Dasein und der grosse Massstab des Pädagogen macht 
diese unmöglich. Ich glaube, dass er für dieses oder ein ähnliches 
Exemplar von einem römischen Wiederholer, der zwei Gruppen aus 
dem Ganzen machte, geschaffen worden ist; man brauchte eine grosse 
Figur als Mittelpunkt für die Söhne, und in dieser zweiten Redaetion 
wurde dann das Werk weiter wiederholt. Das abscheuliehe alte Weib 
in der capitolinisclien Sammlung, das man als Amme mit den Niobiden 
in Verbindung bringt, kommt allerdings an den Sarcophagen, z. B. 
adenrjenigen im Dogenpalast zu Venedig, wieder vor, und mag in der 
That an irgend einem andern, wieder anders angeordneten Exemplar 
der Gruppe als Gegenstück des Pädagogen gedient haben. In dem 
florentinischen Exemplar fände sie schon des kleinen Massstabes We- 
gen kaum eine Stelle. Ob die beiden fraglichen Gruppen als Giebel- 
gruppen eines Tempels dienten, bleibt höchst ungewiss; sie konnten 
auf irgend eine Weise im Freien arrangirt sein, und für diesen Fall 
erinnere man sich wieder an das dabei gefundene Pferd I) und an die 
beiden Ringen- Letztere (s. oben) sind wohl sicher keine Niobiden 
gewesen, allein man wusste im Alterthurn, dass auch zwei Söhne der 
Niobe im Akt des Ringens abgebildet werden waren, und der Er- 
werber oder Besitzer des (jetzt florentinischen) Vorrathes stellte zu 
seinen Niobesöhnen auch die beste Ringergruppe die er besass oder 
bekommen konnte. Wer den Pädagogen hinzuthat, der war auch 
weitern Ergänzungen gewiss nicht abgeneigt. 
Daran aber wird man kaum zweifeln dürfen, dass das alte Ori- 
ginal die Giebelgruppe eines Tempels bildete, und zwar eine einzige. 
Man beachte die ausschliessliche Berechnung der meisten Statuen auf 
den Anblick von vorn. 
Unter den florentinischen Figuren mögen den Urbildern am näch- 
sten stehen: die grösste Tochter; die Mutter mit der jüngsten Tochter; 
der jüngste Sohn; der bergan ilüchtende Sohn (mit dem Fusse vor 
dem Felsstüek); der rettende Sohn mit dem Gewand über dem Haupt 
1) An dem venezianischen Sarcopllag sind drei Söhne reitend und einer vom 
Pferde stürzend gebildet. Dem Pädagogen entspricht ein Mann im Hirtenkleid.
        

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