Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sculptur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1067806
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1068940
Laocoon. 
Toro Parnesa. 
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Gipfelpunkt erreicht. Bei weiterer Betrachtung wird man inne wer- 
den, wie die dramatischen Gegensätze zugleich die schönsten plasti- 
schen Gegensätze sind, und wie die Ungleichheit der beiden Söhne 
an Alter, Grösse und Vertheidigizngskraft ausgeglichen wird durch 
jene furchtbare Diagonale, welche in der Gestalt Laocoons sich aus- 
drückt; die Gruppe erscheint schon als Gruppe absolut vollkommen, 
obschon sie nur für die Vorderansicht bestimmt ist. Das Einzelne 
der Durchführung ist dann noch der Gegenstand langen Forschens 
und stets neuer Bewunderung. Sobald man sich Rechenschaft zu 
geben anfängt über das Warum? aller einzelnen Motive, über den 
Mischungsgrad des leiblichen und des geistigen Leidens, so eröffnen 
sich, ich möchte sagen, Abgründe künstlerischer YVeisheit. Das Höchste 
aber ist das Ankäinpfen gegen den Schmerz, welches Winckclmann 
zuerst erkannt und zur Anerkennung gebracht hat. Die Mässigung im 
Jammer hat keinen bloss ästhetischen, sondern einen sittlichen Grund. 
Die figurenreiehste Freigruppe der alten Kunst ist endlich die 
des farnesischen Stieres in der danach benannten Halle desa 
Museums von Neapel; ein Werk des Apollonius und Tauriscus von 
Tralles, welche vielleicht der rhodischen Schule des III. oder II. Jahr- 
hunderts v. Chr. angehörten. S0 wie sie jetzt vor uns steht, ist sie 
dergestalt mit antiken und modernen Restaurationen versehen, dass 
man nicht einmal für die wesentlichsten Umrisse eine sichere Bürg- 
schaft hat. Der Moment wäre nach dem jetzigen Zustande der, dass 
das vom Haar der Dirce ausgehende Seil dem wilden Stier schon um 
das rechte Horn geschlungen ist und ihm erst um das linke ge- 
schlungen werden soll, wesshalb die beiden Jünglinge (Zethus und 
Amphion) das Thier an der Stirn und an der Schnauze festhalten; 
die von hinten zuschauende Antiope soll (wenn man aus dem Schwei-  
gen des Plinius urtheilen darf) eine spätere, römische Zuthat sein, in 
welchem Fall die ganze Basis umgearbeitet sein müsste. 
Von dem ursprünglichen Detail sind die erhaltenen Stücke der 
beiden Brüder von sehr tüchtiger lebensvoller Arbeit; die untere Hälfte 
der Dirce mit der herabgesunkenen, grossartig geworfenen Gewandung 
würde den besten griechischen Resten ähnlicher Art kaum nachstehen. 
Auch beim jetzigen Zustande wird man die Sondernng der Figuren,
        

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