Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072209
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Antike Decoration. 
Eherne Geräthe. 
Auf den ersten Blick haben diese Überreste gar nichts Bestechen- 
des oder Überraschendes. Ersteres nicht, weil der Grünspan sie un- 
scheinbar macht; letzteres nicht, weil unsere jetzige Deeoration sie seit 
achtzig Jahren naehbildet, so dass bald kein Tischservice, keine Salon- 
lampe völlig unabhängig ist von diesen Vorbildern. Wer nun aber 
nicht schon aus historischem Interesse dieser Quelle der neuern Deco- 
ration nachgehen will, der mag es doch um des innern Werthes wil- 
len getrost thun. Er wird dann vielleicht inne werden, dass wir un- 
vollkommen und mit harbarischer Styl-Mischung nachahmen, dass wir 
dabei bald zu architektonisch trocken, bald zu sinnlos spielend ver- 
fahren, und dass uns nicht die Überzeugung, sondern die Willkür lei- 
tet, sonst würde unsere hlode nicht im Chinesischen, in der Renaissance, 
im Rococo u. s. w. zugleich herumfahren, ohne doch Eines recht zu 
ergründen. Die Alten stehen hier unsern barocken Niedlichkeiten und. 
Nippsachcn recht grandios gegenüber mit ihrem Schönheitssinn und 
ihrem Menschenverstande. 
Vase, Leuchter, Eimer, Xlüzge, Kästchen, und was all die Alter- 
thiimer noch für Namen und Bestimmungen haben mochten,  Alles 
besitzt hier sein inneres organisches Leben, seine Entwicklung vom 
Gebundenen ins Freie, seine Spannung und r-kusladung; die Zierrathen 
sind kein Ziusserliches Spiel, sondern ein Wahrer Ausdruck des Lebens. 
Schon die gemeinen Kiichen- und TPiSchgefiisse haben eine gute, 
schxrungvolle Bildung des Profils, des Halses, namentlich der Hand- 
haben und Henkel. Eine Sammlung von abgetrennten Henkeln, in 
aeinem Schrank des fünften Zimmers (Einiges auch in den Uflizien, 
b 12. Schrank des genannten Raumes) zeigt auf das Schönste, wie die 
Bildner jedesmal mit neuer Lust die einfache Aufgabe lösten, in die- 
sem Theil des Gefiisses eine erhöhte Kraft und Dehnbarkeit auszu- 
sprechen, und wie der Auslauf des Henkels in eine Maske oder Pal- 
mette gleichsam ein letzter, glänzender Ausdruck dieser besondern Be- 
lebung sein sollte. (Eine sehr edel stylisirte Handhabe mit Blattwerk 
cirn genannten Raum der Uflizien, 13. Schrank.) An Urnen, Opfer- 
schalen und andern festlichen Geriithen ist natürlich auf dergleichen 
noch eine besondere Sorgfalt verwendet. WVo von der Aussenseite des 
Gefiisses ein grösserer Theil verziert ist, findet man in der Regel, dass O 
Form und Profil des Zierrathes der Bewegung des Gefiisses, seinem
        

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