Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072152
Pompejanische Scenograpbie. 
Mosaiken. 
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noch oft und mit immer neuem Genuss betrachten, diese Gruppen von 
Gefiissen, Vögehi, Schilden, Meerwundern, Tempelchen, Masken, Scha- 
len, Fächern und Ombrellen mit Schnurwerk, Dreifiissen, Treppchen mit 
Opfergeräthen, Hermen u. s. w., um zu schweigen von den zahllosen 
menschlichen Figiirchen.   
Unlliugbar ist in diesem ganzen pompejanisehen Sehmuckwesen 
wie in der Architektur schon Vieles, was der Ausartung, dem Barocken 
angehört. Nur muss man sich hüten, gleich Alles dahin zu rechnen, 
was nicht dem Kanon der griechischen Säulenordnungen entspricht, 
denn auch das scheinbar Willkürlichc hat hier sein eigenes Gesetz, 
Welches man zu errathen suchen muss. 
Die spiitern Schicksale dieses Styles werden allerdings bald trau- 
rig. Er scheint schon im II. Jahrhundert, jedenfalls im III. erstarrt 
zu sein. Die Mosaiken des runden Umgauges von S. Oostanza heiß 
Rom zeigen, dass man zu Anfang des' IV. Jahrhunderts gar nicht 
mehr wusste, tun was es sich handelte; in dem Rankenwerk herrscht 
öder XVirrrvarr, in den regelmiissigen Feldern eine öde und steife Ein- 
förniigkeit. Einige gute Ornamente retten sich Wohl bis tief ins Mit- 
telalter hinein und gewinnen stellenweise (s. unten) ein neues Leben; 
die Hauptbedingung dieser ganzen Produetionsiveise aber War unwvider- 
bringlich dahin: nämlich die Lust des Improvisirens. 
Wo diese nicht vorhanden gewesen war, da hatte auch der Pom- 
pejaner einst nur Kümmerliches geleistet. Man sehe nur seine meisten 
Mosaikornamente, bei deren Anfertigung natürlich diese Lust Wegfiel. 
(Säulen und Brunnen im Museum, erster Saal unten links; anderes in b 
verschiedenen Häusern zu Pompeji selbst, u. a. in der „Casa dellac 
lliledusafh) Ganz auffallend sticht die kindische Leblosigkeit dieser 
Prunksachen neben den freien Arabesken der Wände ab. Auf ähn- 
liche Weise hat später das Mosaik, als es vorherrschende Geltung er- 
langte, das Leben der Historienmalerei getödtet. Diess hindert nicht, 
dass aus früherer Zeit einzelne ganz ausgezeichnete Mosaiksachen vor- 
handen sind und dass ausser einer Alexanderschlacht auch ein Fries 
von Laubwerk, Draperie und Masken (in dem letztgenannten Raume d 
des Museums) existirt, der zum Allertreftlichsten dieser ganzen Gat- 
tung gehört. 
Cicerone.
        

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