Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072101
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Decoration. 
Pompejaniache Scenographie. 
Die ornamentale Durchführung und figiirliche Belebung des Gan- 
zen ist nun eine sehr verschiedene, je nach dem Sinn des Bestellers 
und des Malers. In der Mitte jener einfarbigen Flächen war die natür- 
liche Stelle für eingerahmte Gemälde sowohl 1) als für einzelne Figu- 
ren und Gruppen auf dem farbigen Grunde selbst; anderwärts treten 
die Figuren als Bewohner der (gemalten) Banliehkeiten zwischen Säul- 
chen und Balustrarlen auf. Die Landschaftbilder finden sich theils 
ebenfalls in der Mitte der farbigen Flächen, theils vor die Banlichkei- 
ten, oft sehr wunderlich, hingespannt. 
Die gemalte Architektur ist eine von den Bedingungen des Stof- 
fes befreite; wir wollen nicht sagen wvergeistigte", weil der Zweck 
doch nur ein leichtes, angenehmes Spiel ist, und weil die Wahren 
griechischen Bauformen einen ernsten und hohen Sinn haben, von 
welchem hier gleichsam nur der flüchtige Schaum abgeschöpft wird. 
Immerhin aber werden wir diese Decoratoren für die Art ihren Zweck 
zu erreichen schützen und bewundern. Sie hatten ganz recht, keine 
wirklichen Architekturen mit wirklicher, auf Täuschung ubgesehener 
Linien- und Luftperspective abzubilden. Dergleichen wirkt, wie so 
viele Beispiele im heutigen Italien zeigen, neben ächten Säulen und 
Gebälken doch nur küminerlich und verliert bei der geringsten Ver- 
witterung allen Werth, während die idealen Architekturen dieser alten 
Pompejaner, selbst mit ihrer abgeblassten Farbe, auf alle Jahrhunderte 
Auge und Sinn erfreuen werden. 
Siiulchen, Gebiilke und Giebel nämlich sind wie aus einem idea- 
len Stoffe gebildet, bei welchem Kraft und Schwere, Tragen und Ge- 
tragenwerden nur noch als Iteminiscenz in Betracht kömmt 2). Die 
 Ob das Colorit dieser Gemälde wirklich in einem durchgehenden Verhliltniss 
stehe zu der rothen, grünen etc. Farbe des entsprechenden Wandstückes, 
wage ich nicht zu entscheiden. Gerade die besten Gemälde haben durch die 
Übertragung in das Museum von Neapel ihren Zusammenhang mit der Wand- 
farbe eingebüsst. 
z) Die reine golhische Decoralion folgt hierin ganz andern Gesetzen; sie ist 
fast durchgängig (an Wandzierrathen, Stühlen, selbst feinen Schmucksachen) 
streng architektonisch gedacht und wiederholt überall ihre Nischen, Sockel, 
Fenster, Streben, Pyramiden und Blumen im kleinsten Ztlaassstab ähnlich wie 
im grösslen. Sie bedurfte jener besondern Erleichterung vom Stolle nicht
        

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