Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072032
l-läuser von Pompeji. 
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sich in grossen Städten gefallen liess, wo irgend möglich aher vermied. 
Wer Platz hatte oder gar wer auf dem Lande baute, legte die ein- 
zelnen Räume zu ebener Erde rings um Höfe und Hallen herum an, 
höchstens mit einem einzigen Obergeschoss, welches überdiess fast bloss 
geringere Gemächer enthielt und nur einzelne Theile des Baues be- 
deckte. Plinius d. J. in der Beschreibung seiner laurentinisehen Villa 
giebt hierüber ein vollständiges Zeugniss. Unebenes 'I'errain benutzte 
man allerdings zu mehrstöckigen Anlagen, wie die Kaiserpaläste auf 
dem Palatin und die Villa des Diomedes bei Pompeji beweisen; alleina 
Reiz und Schönheit solcher Bauten lagen ohne Zweifel nicht in einer 
grosscn Gesammtfassade, sondern in dem terrassenartigen Vertreten 
der untern Stockwerke vor die obern. Luft und Sonne lagen dem 
antiken Menschen mehr am Herzen als uns; er liebte weder das Trep- 
pensteigen noch die Aussicht auf die Strasse, welche uns so viel zu 
gelten pflegt. 
Die Ermittelung der einzelnen Räume des Hauses und ihrer Be- 
stimmung gehört der Archäologie an; wir haben es nur mit dem künst- 
lerischen Eindruck der erhaltenen Gebäude zu thun. Die Fassade war 
bei den pompejanischen Bauten, wie gesagt, den Buden auf- 
geopfert. Innen aber herrscht ein Reichthum perspectivischer Durch- 
blicke, welcher bei jedem Besuch der Stadt einen neuen, unerschöpf- 
lichen Genuss gewährt. Allerdings sind an den beiden mit Säulen- 
oder Pfeiler-Hallen umgebenen Höfen, dem Atrium und dem Peristylium, 
die einst hölzernen Gebälke siimmtlich verschwunden; dafür hemmt 
auch keine Zwischenthiir, kein Vorhang mehr den Durchblick. Die 
Farbigkeit der Stuccosäulen, weit entfernt sich bunt auszunchmen, 
steht in völliger Harmonie mit der baulichen und figürlichen Bemalung 
der Wände, von Welcher in besondern Abschnitten (siehe Seite 58 
bis 64, und: antike Malerei) die Rede sein wird. Denkt man sich 
ausserdcm die vielen plastischen Bildwerke, die kleinen Hauscapell- 
chen, die Brunnen im Gartenhof des Peristyliuins, die grünen Lauben 
und die ausgespannten Schattentiicher über einzelnen Räumen hinzu, 
so ergiebt sich ein Ganzes, welches zwar keine nordische, aber eine 
beneidenswerthe südliche Wohnlichkeit und Schönheit hat.  Sehr 
fraglich bleibt immer die Beleuchtung der meisten Gemächer um die 
Höfe herum, da der Oberbau fast durchgängig nicht mehr vorhanden
        

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