Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071967
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Architektur. 
Thermen. 
Pompßji- 
wenn für alle Zuschauer gesorgt sein sollte. Man frägt wiederum ver- 
gebens: wo gerieth diese Masse von Bamnaterial hin? 
Wie die Gebäude für Schauspiele den römischen Aussenbau cha- 
rakterisiren, so sind die Thermen die grösste Leistung des römischen 
Innenbaues. 
a Die öffentlichen Bäder von Pompeji, mag darin auf Stadtkosten 
oder gegen Eintrittsgeld gebadet worden sein, zeugen merkwürdig für 
den Luxus künstlerischer Ausstattung, welchen man selbst in der klei- 
nen Provineialstadt verlangte; vielleicht sind sie überdiess weder die 
einzigen noch die schönsten, und andere warten noch unter dem Schutt. 
Die architektonische Behandlung ist hier, wo der Stucco so sehr das 
Übergewicht über den Stein hat, nothwendig eine ziemlich freie; die 
Gesimse bestehen z. B. aus Hohlkehlen mit Reliefiiguren,  allein es 
geht doch ein inneres Gesetz des Schönen durch. Im Tepidarium, wo 
viele kleine Behälter, etwa für die Geräthschaften regelmässiger Be- 
sucher, angebracht werden mussten, lieferte die Kunst jenes bewun- 
dernswerthe Motiv von Nischen mit Atlanten, während wir uns im 
entsprechenden Fall gewiss mit einer Reihe numerirter Kästchen, höch- 
stens von Mahagony begnügen Würden. WVie glücklich sind an dem 
Gewölbe die drei einfachen Farben Weiss, roth und blau gehandhabt! 
Im Calidarium ist das Gewölbe nebst der YVand cannelirt, damit die 
zu Wasser gewordenen Dämpfe nicht niedertropfen, sondern der Mauer 
entlang abfliessen sollten. 
Doch dieses sind nur eigentliche Bäder, bestimmt für die tägliche 
Gesundheitspflege. Eine ungleich ausgedehutere Bestimmung hatten 
die Kaiserthermen, welche in Rom und in wichtigen Provincial- 
Städten zum Vergnügen des Volkes gebaut Wurden. Diese enthielten 
nicht nur die kolosselsten und prachtvollsten Baderäume, sondern auch 
Loeale für Alles, was nur Geist und Körper vergnügen kann: Porti- 
ken zum WVandeIn, Hfallen für Spiele und Leibesübungeil, Bibliotheken, 
Gemäldegalericn, Seulpturen zum Thcil von höchstem Werthc, auch 
wohl XVirthscheften verschiedener Art. ' 
Von nll dieser Herrlichkeit wird man jetzt, mit wenigen Ausnah- 
men, nur noch die Backsteinmauern finden, welche den innern Kern
        

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