Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071863
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Architektur. 
Thore von Verona. 
a Die antiken Thore von Spoleto sind einfache Bogen, diejenigen 
b von S p el 10 nicht viel mehr. Ein Doppelthor, mit einer von reichverzier- 
e ten Fenstern und Nischen durchbrochenem Obermauer, die Porta de' 
Borsari in Verona, aus der Zeit des Gallienus, ist sowohl in der 
Anlage als in der Decoration ein Ilauptzeugniss für die spielende Aus- 
artung, welche sich im III. Jahrhundert der Baukunst bemäehtigt hatte. 
dDer Arco de' Leoni, die erhaltene Hälfte eines Doppelthores, eben- 
falls aus gesunkener Zeit, ist doch nicht ganz in dem kleinlichen Geist 
der Porta de, Borsari erfunden; die obere Nische, für deren Einfassung 
hier die reichste Form, die spiralförmig eannelirte Säule, aufgespart 
ist, konnte mit einer plastischen Gruppe versehen eine ganz gute ab- 
schliessende Wirkung machen.  Ein drittes veronesisehes Denkmal, 
ßder Arco de, Gavi, in der Nähe des Oastcl vccchio, wurde 1805 
zerstört. Nachbildungen desselben erkennt man in verschiedenen A1- 
täiren der Renaissance-Zeit, welche dieses Gebäude sehr schätzte; dahin 
fgehört z. B. der Altar der Alighicri im rechten (Querschilf von S. Fermo, 
von einem Abkömmling Dante's, welcher selbst Baumeister war; und 
Sder vierte Altar rechts in S. Anastasia. 
nnd Profile beweisen;  sie sind ferner nicht geflissentlich theilweise roh 
gelassen , sondern unvollendet; wären sie aus dem ersten Jahrhundert, so 
hätte man auch Zeit und Kraft gefunden, sie auszumeisseln; wären sie ab- 
sichtlich so gelassen, so wäre dies consequenter und nicht so ungleich und 
principlos geschehen. Die Architekten des XVI. und XVII. Jahrhunderts, 
welche mit Berufung auf dieses Denkmal ihre sog. Rilstica  Säulen schufen, 
haben sich doch wohl gehütet, die Säulen der Porta nxaggiore so nachzuah- 
men wie sie wirklich sind. 
5' Ebenso wird man sich beim Amphitheater von Verona leicht überzeugen 
können, dass die rohen Theile an dem vorhandenen Bruehstück der äussern 
Schale eben nur-einstweilen roh gelassen worden waren. Die Steinschichteu 
sind schon zu ungleich, um mit ihren rohen Flächen absichtlich als echte Ilustica. 
zu wirken; denn diese verlangt die Gleichnxässigkeit schon als Vorbedingung 
der Festigkeit, welche symbolisch ausgedrückt werden soll. Gleichwohl mussten 
hier die unfertigen Pilaster mit fertigen Capitälen als Vorbild der Bnslicalsilaster 
dienen, wie die Säulen an Porta maggiore als Vorbild der Rusticasänlcn. 
Es soll damit nicht gelängnet werden, dass für ungegliederte Flächen auch 
die Römer bisweilen absichtlich die Quader in rohgemeisseltem Zustande lassen 
mochten , und dass ihnen die spcciclle Wirkung, die dabei zum Vorschein 
kam, nicht ganz entging.
        

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