Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071726
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Architektur. 
Tempel der Venus und Roma. 
Anschwellung und Ausbauehung römischer Ordnungen. Der Unterbau 
muss sehr hoch gewesen sein, da er noch jetzt aus dem Boden ragt.) 
a Von dem Wunderwerk Hadriaws, dem Tempel der Venus 
und Roma, sind nur Stücke der beiden mit dem Rücken anein- 
ander gelehnten Cellen erhalten, nebst einem Theil der ungeheuern 
Unterbauten und Treppenrampen und einer Anzahl von Süulcnfrag- 
menten. Man frägt sich nur wo der Rest hingekommen? Was wurde 
aus der 500 Fuss langen und 300 Fuss breiten Halle von Granitsäu- 
len, welche den Tempelhof umgab? was aus den 56 cannelirten Säu- 
len von griechischem Marmor (jede sechs Fuss dick), welche, zehn 
vorn und zwanzig auf jeder Seite (die Eeksiiulen beidemale gerechnet), 
das 'I'empeldach trugen, wozu noch acht innerhalb der vordern und 
der hintern Vorhalle kamen? wie konnte das Gebälk bis auf ein ein- 
ziges, jetzt auf der Seite gegen das Colosseum eingemauertes Stück 
gänzlich verschwinden?  Wenn irgendwo, so iiussert sich hier die 
dämonische Zerstörungskraft des mittelalterlichen Roms, von welcher 
sich das jetzige Rom so wenig mehr einen Begriff machen kann, dass 
es beharrlich die nordischen vßarbaren" ob all der grünlichen Ver- 
wüstungen anklagt. Wenn auch die 5512 Fnss dicke lllarinormauer 
(denn hier waren es keine blossen Platten), welche die Ziegehnauer 
umgab, Wenn die porphyrne Säulenstellung im Innern der beiden 
Cellen mit sammt dem Schmuck aller Nischen und der Bodenheklei- 
dung geraubt vmrde, so ist dies noch eher zu begreifen, weil es eine 
leichtere Aufgabe war.  Hadrian hatte bekanntlich den Tempel sel- 
ber componirt und dabei auf einen höhern Totaleffekt des so Wunder- 
lich in zwei Hälften getheiltcn Innern aus irgendwelchen Gründen 
verzichtet. WVenn aber der Tempel selbst  Fuss lang und 160 Fuss 
breit war, so blieb, bei der oben angegebenen Ausdehnung der I-Ialle 
des Tempelhofes auch für die Wirkung von anssen nur ein verhält- 
nissmässig schmaler Raum übrig; der Beschauer konnte sich vorn oder 
hinten kaum 80 Fuss von einer Fassade entfernen, die vielleicht dop- 
pelt so hoch war (nämlich etwa so hoch als breit). Für den Anblick 
aus der Ferne war diess wohl gleichgültig, indem der Tempel mit 
seiner enormen Masse Alles überragte.  Welcher Ordnung seine 
Capitäle gewesen, ist unbekannt; der Wahrscheinlichkeit nach wird er 
hier bei den korinthischen aufgezählt. Die Halbkuppeln der beiden Ni-
        

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