Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1075527
402 
Villen und Gärten. 
so vor, wie man Wohl annimmt und einzelne davon sind so schön 
und ruhig componirt, so zur Umgebung gedacht, dass sich nichts 
Vollkommnercs in dieser Art ersinnen lässt. Das Ganze hat nun einen 
Zweck, welcher demjenigen des sog. englischen Gartens geradezu ent- 
gegengesetzt ist. Es will nicht die freie Natur mit ihren Zufälligkeiten 
künstlich nachahmen, Sondern die Natur den Gesetzen der Kunst dienstbar 
machen. Wo man krumme Wege, Einsiedeleien, Chinoiserien, Stroh- 
hütten, Schlossruinen, gothische Capellen u. dgl. antriiTt, da hat mo- 
dernste Nachahmung des Auslandes die Hände im Spiel gehabt I). Der 
Italiener theilt und versteht die elegische Natursentimentalitiit gar nicht, 
wovon diess die Ausserungen sind oder sein sollen. Das Wesentliche 
des italienischen Gartens ist vor Allem die grosse, übersichtliche, sym- 
metrische Abtheilung in Räume mit bestimmtem Charakter. Zunächst 
ist der genannte Prunkgarten und seine Umgebung von Terrassen 
mit Balustraden und Rampentreppen der reichsten architektonischen 
Ausbildung fähig, durch halbrunden Abschluss (als sog. Teatro), 
durch Abstufung, durch Grotten und Fontainen; insgemein steht er 
im nächsten Zusammenhang mit dem Gebäude der Villa. Dann wer- 
den Thaler und Niederungen stylisirt durch Absätze, und das in stets 
gerader Linie durchiliessendc Wasser zu Bassin's erweitert und wo- 
möglich zu Cascadeu aufgesammelt, deren mässiges 'I'rä.ufeln durch 
architektonischen und mythologischen Schmuck motivirt wird und daher 
nicht lächerlich erscheint, wie der künstliche Naturwasserfall des eng- 
lischen Gartens bei ähnlicher Armuth. Oder es wird eine Niederung 
als Circus gestaltet (und sogar als solcher gebraucht). Oder ein ganzes 
Thal, eine ganze Gegend wird auch einer bestimmten Vegetation über- 
lassen, doch nicht bis zum vollen Eindruck des Ländlichen; den Pi- 
anienhain der Villa Pamiili z. B. wird Niemand für einen wild ge- 
wachsenen Pinienwald halten. Sodann erhalten die (sämmtlich gerad- 
linigen) Gänge, die womöglich auf bedeutende Ausblicke, auch au! 
Brunnen und Sculpturen gerichtet sind, entweder eine-blosse Einfassung 
oder eine Über-Wölbung von immergrünen Bäumen; im erstern Fal 
ü 
 Man versäume nicht, sich zur Villa Torlonia vor Porta Pia Einlass z: 
verschaffen. Sie enthält den ganzen Gursus der romantischen Gartenkuns 
gegenüber der classischen in den ältern Villen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.